Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 1
- Article
- Grundlehren des israelitischen Glaubens
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 5)
- Language
- German
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72 IV» Grundlehren des israelitischen Glaubens«, Ziösen Werth entzieht. Was die dritte dieser Grundlehren betrifft, so müssen wir bekennen, daß wir hier ihre Nothwendigkeit aus einem andern Gesichtspunkt erkannt haben, als unsre Vorgänger. Für diese nämlich ist die Anerkennung ihrer Wahrheit dem Israeliten unerläßlich, weil es ihm sonst an einem hinreichend mächft' tigen Antriebe zur eifrigen Vollziehung der Gebote fehlen würde. So wichtig aber dieser Grund ist, sehn wir nicht ein, warum wir deßhalb die Lehre von der Vergeltung der menschlichen Werke eher zu einer Grundlehre der Religion erheben sollten, als so manche andre Wahrheiten von hoher Wichtigkeit, welche die Religion uns. lehrt, wenn wir nicht erkannt hätten, daß sie einen nothwendigen Bestandtheil des BegrDs bildet, den wir uns von der Gottheit bilden müssen, wenn wir durch eine treue Beobachtung des Gesetzes uns zu jener Heiligkeit erheben sollen, welche der Endzweck des religiösen Lebens ist und in einem beharrlichen Wandeln auf den Wegen s Gottes besteht», i §. 16. ft Es lassen sich indessen gegen die hier vorgetragene! Ansicht Ln Beziehung auf die dritte Grundlehre zwei Einwendungen machen, die wir hier nicht übersehen dürfen: Ist es denn wahr, daß die Heiligkeit, zu welcher der Mensch gelangen kann, von der Heiligkeit Gottes nur graduell und nicht dem Wesen nach verschiede» ist, und wenn es sich etwa aus Gründen der Metäphy- ' sik erweisen ließe, daß die Gerechtigkeit, die Liehe, die ' Milde, deren der Mensch fähig ist, mit den gleichbenannten Eigenschaften, welche wir der Gottheit beilegen