Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur Beurtheilung des Talmuds
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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36 H. Beiträge zur Beurtheilung des Talmuds. indem wir sie befolgen, nicht die Vorschriften der Bibel, sondern die einer geistlichen Autorität, der wir so weit vertrauen, daß wir ihren mündlichen Belehrungen eine verbindende Kraft beilegen. Enthält aber die überlieferte Lehre eine befriedigende Erklärung des Textes, so setzt Dies natürlich voraus, daß eine solche möglich ist, und cs ist dann gewagt zu behaupten, daß sie der Mensch mit seinen natürlichen Verstandskräften nicht auffinden konnte. Es ist hier der Ort nicht, zu untersuchen, ob der Pentateuch unauflösbare Widersprüche enthalte, oder nicht; so viel geht aber aus unfern Betrachtungen hervor, daß solche Widersprüche nicht zum Beweise vom Dasein einer mündlich überlieferten Lehre dienen können. Es bleibt uns nun noch zu untersuchen, ob der Pentateuch wegen der Unbestimmtheit, der Undeutlichkeit und der Zweideutigkeit der darin enthaltenen Vorschriften ohne eine geoffenbarte und mündlich überlieferte Erläuterung nicht beobachtet werden könne, und ob eine solche Erläuterung geeignet sei, dem Mangel in der Abfassung des Textes abzuhelfen. Manasse ben Israel, der in Beziehung auf die scheinbaren Widersprüche des Pentateuchs unsre Ansicht zu theilen scheint, daß fie keinen Beweis vom Dasein einer mündlichen Ueberlieferung abgeben können— indem er ja sonst gewiß dieses Argument benutzt hätte —, bemüht sich, die Nothwendig^it einer mündlichen Lehre durch die Menge der Vorschriften zu beweisen, die, nach seinem Dafürhalten, in der Bibel mangelhaft abgefaßt sind. Er führt hiefür eine große Anzahl von Beispielen an, von welchen wir hier die wesentlichsten msttheilen: 1) Einerseits? ist von den Festtagen angegeben, im