Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Marokko [Nachricht]
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 454 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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484 N a ch r i ch t e n. zvurden ivir überall von den neugierig herbeistnrzenden Bewoh. nern mit einem freundlichen «Luenos llia8begrüßt und oft in die Häuser geladen, wo man uns Branntwein, Nüsse und andres Obst anbot. Auch zu vielen Kranken wurden wir gerufen, da man jedem Europäer einige medicinische Kenntnisse znmnthct. Augenübel sind bei den Mädchen und Weibern häufig, da sie den gefährlichen Gebrauch des Schicßglanzpulvers als Schminke für die Augen den Marokkanerinnen nachahmcn. Wenige Juden sprechen hier spanisch; auch das Hebräische ist nur den Rabbinern bekannt. Wir sahen Kinder von 10—11 Jahren , welche schon verheirathet waren; einige unter den Israeliten hatten mehre Weiber. In den Buden der Goldarbeiter sahen wir nur wenig neue Erzeugnisse, meistens Ringe, Dolchscheiden , Amnletbüchschen, Ohrgehänge und Schminkfläschchen von zierlich ciselirtem Silber, welche die Marokkaner zur Zeit der Hungersnoth im I. 1827 verkaufen mußten, und welche nun wieder feilgeboten wurden. Von den hiesigen Juden erfuhren wir manche Nachrichten über das Leben ihrer Glaubensgenossen in den übrigen Theilcn des Reiches. So groß auch die Zahl der meist aus Spanien nach Afrika und besonders nach Marokko geflüchteten Inden war, so hat sie doch, wie bereits erwähnt wurde, unter dem Drucke der Regierung sehr abgenommen. Wir haben mehr als einmal Gelegenheit gehabt, die erniedrigenden Beschränkungen zu berühren, welche sie rücksichtlich ihrer Wohnungen, Tracht n. s. w. erleiden; dazu kommt noch das Verbot des Grundbesitzes und die ewigen Neckereien des fanatischen Pöbels, der den Inden mißhandelt, wohl wissend, daß kein Gesetz und kein Richter das arme Volk begünstige. Nur der erfinderische Geist und die Industrie desselben, welche es jene Beschäftigungen wählen lehren, zu denen der Maure aus Indolenz und Ungeschicklichkeit nicht taugt, machen es im Lande unentbehrlich und gewähren ihn, dürftigen Schutz. Viele jüd. Familien endlich, welchen der empörende Druck zu arg wurde, haben die Städte verlassen , und in den Schluchten des Atlas, umgeben von den wildesten Volksstämmen, mehr Sicherheit gefunden, als innerhalb der Mauern ihrer Stadtquartierc. Daö Beispiel des ersten Ansiedlers hat viele andre gelockt, und