Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Prov. Starkenburg [Nachricht]
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 432 (sequence 3)
- Language
- German
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432 N a ch t r ch t e n. gewisse Nuhepunkte erzielt, nach welchen sie sich wieder mit neuer Kraft in die Höhe schwingen kann, ohne das; eine Erschlaffung eintrete. Der Gottesdienst selbst wird nie unterbrochen, nur einige Theilnchmer senken die Fittige. Nicht immer also ist Nachäfferei nöthig, wo eine Verbesserung eintrcten soll. Daß ich den Morgengottcsdienst nicht versäumte, versteht sich von selbst. Sind ja solche Genüsse noch so selten in Israels Mitte. Hier sprach be- , sonders das Aus- und Einheben der Thvrah sehr an. Die Handlung selbst wurde durch den Gesang sehr feierlich, der Anstand erhalten und die Gebctstücke eindringliche. Auffallend war mir, das; das in so hohem Ansehen stehende nicht in eine für den Chor passende Melodie gesetzt, und die Gemeinde dadurch von demselben ersetzt worden ist. Sollte vielleicht das Gebet sei» Ansehen auf den alten Gesang übertragen und man dcßhalb Anstand genommen haben? Der ganze Chor zählt ungefähr 10 Männer und 12 bis 14 Knaben, besteht jetzt schon über 4 Jahre und hatte die Approbation des früher» Rabbiners erhalten. Meine Freude stieg zugleich mit meinem Staunen, als ich nachher, über die äußere Einrichtung mich näher erkundigend, erfuhr, daß nicht ein Zusammenfluß mehrfacher Kräfte, sondernder edle Eifer eines einzigen Mannes dieses Alles hervorrief. Der Verfasser der Melodien, der Gesanglehrcr, der Direktor ist ein einziger Mann, der für sein frommes Streben den Dank seiner Gemeinde vcrdient. Er würde sich gewiß auch den Dank eines größeren Kreises erwerben, wen» er seine Melodien mit Beifügung des Textes lithvgraphiren ließe und sie so zum Gemeingnte machte. Sie würden gewiß eine willkommne Aufnahme und in vielen Gemeinden, wo noch nicht mehr geschehen kann , verdiente Nachahmung finden. Wird diese durch diesen Bericht hcrvorgernfen, so hat Einsender seinen Zweck erreicht. Gewundert hat es mich, daß in Darmstadt selbst die Einrichtung noch in einem so losen Zustande sich befindet, daß sie noch nicht aus ihrem Privatzustande zu einer Gemeinde-Angelegenheit erhoben wurde, daß namentlich der Gesang nicht zum Gegenstände des Religionsunterrichts gemacht und so zur Theilnahme an demselben die ganze Schuljugend angehalten werde.