Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jüdische Geschichte [Rezension]
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 385 (sequence 9)
- Language
- German
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Rap.'s Biographien. HaiGaon. 365 ßerdem daß er höchst fruchtbarer Schriftsteller war, alle bald auftauchenden großen Männer entweder seine wirklichen Schüler waren oder doch als solche feine schriftlichen Belehrungen sich erbaten und an ihnen heranwuchsen, jo zeigten sich auch in ihm die bedeutsamsten Spuren einerkräftigen Selbstständigkeit, die selbst auf die Stellung des Judenthums tief einwirkte. In dieser Beziehung müssen wir die Eigenthümlichkeit, die ihn charakterisiret, etwas näher bezeichnen- Es liegt überhaupt iM Wesen einesgeistlichen Primates, nicht mit ängstlicher Befangenheit auf den Buchstaben der überlieferten Schriften zu halten, sondern als Träger des Geistes der Religion diesen zu bewahren und nach den Bedürfnissen der Zeit seine Aeußerungen zu gestalten. Hätte man die Sicherheit, daß ein solches Oberhaupt immer die volle Uneigennützigkeit, Unbefangenheit und klare Einsicht in das Wesen der Religion besäße, so wäre keine Einrichtung von so heilsamem Erfolge, als die Einsetzung eines solchen obern Lenkers. So sollte auch das Gaonat sein, aber die natürliche Mangelhaftigkeit dieses Institutes trat auch hier hervor. Eigennutz machte sich zwar niemals geltend, aber theils war Babylon dis Stätte, die allein der Ehre des Gaonats theilhaft war, so daß die Geistesrichtung entfernter Länder unbefragt blieb, theilö fand sich nicht immer die nöthige Gelehrsamkeit und der geschickte Tact in der gewählten Person vereinigt, und hieran , erstarb dann auch jene alternde Einrichtung. Hai aber besaß noch jene volle Macht, und sie flößte ihm daher auch jenes Gefühl geiftlicherHerrfchaft ein, die sich nicht ganz vom Buchstaben knechten läßt. So finden wir daher bei ihm den merkwürdigen Ausspruchs daß der. übliche, Gebrauch in der