Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die wissenschaftliche Ausbildung des Judenthums in den zwei ersten Jahrhunderten der zweiten Jahrtausends bis zum Auftreten des Maimonides
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 317 (sequence 11)
- Language
- German
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des zweiten Jahrtausends. 315 eine doppelte Bestimmung haben! — In christlichen Landen betreten die jüdischen -Erklärer noch einen andern Weg, freilich nahe der Wahrheit, aber sie nicht erreichend; sie schließen sich enge der Agava an, um die Grammatik sich wenig bekümmernd. Ach, wozu wiederholen sie denE ivaö man schon in frühem Schriften so bequem findet! Giebt es ja auch einander ganz widersprechende agadische Deutungen; es giebt wohl Deren, welche einen tiefem Sinn Haben, aber sie dient auch manchmal blos, dem durch das Studium der Halacha ermüdeten Geiste Erholung zu bereiten, manchmal stützt sie sich auf eine damals gangbare Ansicht, zuweilen auch wird sie gar nicht anerkannt; ja die Agava wiü auch oft blos den ungeübten Verstand zur Erkenntniß hinleiten, so wie es ja auch einen Vogel giebt, der im Tageslichte Nichts sieht, aber scharf bei Nacht, weil seine Augen trübe sind.*) Das Ende der Sache ist: es giebt agadischer Deutungen kein Ende. — Aber eine fünfte Weise sei die weinige. Zuerst werde ein jedes Wort gehörig grammatisch erörtert und dann erklärt, unbekümmert um masorethische Dinge, deren Gründe willkührlich und blos für Kinder gut sind, ebenso mit keiner Beachtung der angeblich von den Spätem (an 18 Stellen) gemachten Verbesserungen der Schreiber, hingegen Rücksicht genommen auf den chaldäischen Uebersetzer, der zwar manchmal (in poe- ') Ganz ähnlich spricht er sich über diesen Punkt in der Vorr. zu de» Klgl. aus: ihre Deutungen sind verschiedenartig, bald erhaben, räthselhaft, bald den angestrengten Geist zu erheitern, bald dem Schwachen und Geistesleeren eine Stütze zu bieten. Der buchstäbliche Sinn der Verse ist daher gleich dem Körper, die Midraschim aber den Kleidern, die dem Körper sich anhängen, bald dünn wir Seiden, bald dick wie Sackzrug.