Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Heuchelei, die erste Anforderung an den jungen Rabbiner unserer Zeit
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 20)
- Language
- German
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304!. Heuchelei, die erste Anforderung haben, damit er ihren Kindern auch solche beibringe, da» mit sie sich seiner nicht zu schämen brauchen, damit auch in sie störenden Dingen eine Acnderung erreicht werde- Aber dennoch, wenn er auch gerade nicht svrmgläubig sein soll, so soll er doch äußerlich so auftreten, weder durch Wort noch durch That sich anders gezeigt haben oder sich fernerhin zeigen. Friede, Friede, ist daö Losungswort, aber dich ist kein Friede, sondern unseliger Waffenstillstand; den Frieden erlangt man durch den Kampf und nach demselben, aber nicht durch zwitterhaftes Beginnen. Dieß ist Grabesruhe, wo die Kraft gebrochen und aller Eifer erkaltet ist. Eo machen sie als erste Anforderung an den jungen Rabbiner unserer Zeit — Heuchelei. Er soll nicht formgläubig sein, aber als Formgläubiger thun und sprechen — mit den Einen, aber nicht mit den Andern. Sie verlangen, daß er den Beifall derer habe, die ihren Gesinnungen entgegenstehn, daß er von ihnen genügende Zeugnisse seiner — Frömmigkeit? nein, Heuchelei, beibringe, denn im Herzen soll er ja ihre Gesinnungen theilen. Also der Mann, dem wahrhaft religiöse Ueberzeugungen heilig sein müssen, der einen eben so großen Abscheu gegen Aberglauben wie Unglauben in sich tragen muß, — der soll sich leichtlich mit einem Jeden abfinden, der soll mit Klugheit seine Gesinnungen zugestalten, zu verbergen, hcrvorzuheben wissen? Also der Mann, der die Wahrheit verkünden und zu ihr hinsühren soll, soll lügenhaft leben? Der Mann, der lehren soll, Geradheit und Redlichkeit im Vertrauen auf Gott höher zu halten, als alles unredlich erworbene Gut, soll in Winkelzügen sein Heil suchen? Der Mann, der da zeigen soll, wie ein reines schlichtes Leben höher stehe und Gott wohlgefälliger sei, als alle Abgeriebenheit