Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Heuchelei, die erste Anforderung an den jungen Rabbiner unserer Zeit
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 19)
- Language
- German
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30Z an den jungen Rabbiner unserer Zeit. Führer sein willst, und erkämpfe uns daS Recht,'als fromm anerkannt zu werden, wie wir es in Wahrheit sind; wirke für Reinigung der Lehre nach ihrer ursprünglichen Gestalt, wirke für die Einigung der Fortschritte der Zeit mit dem Glauben, wirke für die Durchdringung ver reinen Idee! Sollte man nach ihren so oft und so entschieden durch Worte und Handlungen ausgesprochenen Gesinnungen nicht auch, wenn nur der geringste Eifer in ihnen lebte, wenn eine klare durchgebildete Ansicht ihnen innewohnte, wenn aus wahrhafter Uebcrzeugung und mit ächt gläubigem Sinne ihr Abwenden von den Gesinnungen und Gebräuchen der Vorzeit entstanden, eine solche Sprache erwarten? Aber wie wird sie in der That vernommen? Es ist wahrlich lächerlich, wenn man die Anforderungen hört, welche Leute, die ganz und gar dem Bestehenden entfremdet sind, an junge Rabbiner machen. Sie verlangen oft, daß er selbst ihre Gesinnungen nicht theile, und erklären sich somit für offenbare Sünder. Man hört bei ihnen das gar sinnige Gleichmß, daß sie, wenn sie auf einem Wege seien, wohl trunken sein dürften, aber nicht der Wegführer. Ja, wohl sind sie trunken, aber nicht vom Weine, sondern voll der krassesten Widersprüche. Sie haben von der wahren Religion, dem reinen, eigentlichen Judenthume keinen Begriff; sprechen sie daher von Religion, so haben sie diejenige im Sinne, von der sie sich abgewandt haben, sprechen sie von einem Führer in religiösen Dingen, so denken sie sich ihn wieder als einen solchen, der festhält am entstellten Judenthume. Allerdings nun wünschen sie doch in ihrem Herzen, der Mann, dem sie die Leitung der geistlichen Ange, legenheiten übertragen, möchte doch vernünftige Ansichten " ' 2N