Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Heuchelei, die erste Anforderung an den jungen Rabbiner unserer Zeit
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 16)
- Language
- German
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309 7. Heuchelei, die erste Anforderung gen Gelegenheiten, wie z. B. wenn viele Juden stüdircn und ein jüdischer Arzt in Frankreich den Orden der Ehrenlegion erhält, zum Denken auffordern zu müssen glaubt. Nach allen Seiten hin werden Verbeugungen gemacht, Polemik wird ausgeschlossen,! als wäre nicht gerade bei religiösen Dingen in einer Zeit, wie die unsrige, das scharfe Hervorheben und Beleuchten der streitigen Punkte das einzige Mittel, zur Klarheit zu gelangen. Bei dem Einen wird kein Name genannt, vor dem nicht der Hut gezogen wird, wo es nicht heißt: gelehrt, rühmlich bekannt, hochverdient berühmt, edel, allverehrt, achtbar, schätzungswürdig, würdig, achtungswürdig, achtungswerth, trefflich, geistreich, schätzenswürdig, verdienstvoll, wacker, ehrwürdig mit allen ihren Steigerungsgraden und Zusammensetzungen, so daß man wahrlich über die Anzahl großer Männer in Israel in freudiges Staunen geräth; bei dem Andern kommen Nekrologe von Männern vor, die übrigens sehr unbedeutend waren, ja die sich entschieden dem Guten wioersetzt haben, über deren Eingehn in die Pforten des Himmels die Enge! jauchzen sollen, und über deren Verlust die Erde sich mit einem Trauerflor umgiebt, und von denen gesagt wird, es fei bei ihnen kein Tag vergangen, an dem sie nicht Edles, Gutes und Nützliches gewirkt hatten, mit ihrem Namen habe sich zugleich ihr Ruhm und ihre Größe bis zu den entferntesten Gegenden verbreitet, und ihr Tod sei eine der traurigsten Erscheinungen unsrer Zeit. Unsrer Z eit! die hat wahrlich um Wichtigeres zu trauern! Sie hat unter Anderem zu betrauern, daß solche und ähnliche Abgeschmacktheiten geschrieben werden, daß Keiner weiß, was er will, und daß Jeder anders spricht, als er denkt. Uns eckelt vor solchen Erscheinungen«