Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Heuchelei, die erste Anforderung an den jungen Rabbiner unserer Zeit
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 14)
- Language
- German
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298 I. Heuchelei, die erste Anforderung medrigendsten Schleichwege. Wahrlich, würde ihnen der Prophet Elias zurufen, wie lange hinkt ihr noch auf die beiden Seiten hin? Ist Gott der Herr, so folgt ihm nach; ist es Baal, so folget ihm. Aber ihr wollt nicht, daß die Verehrung dem wahren Gotte zugewandt werde, sondern daß Baalswie Gottesdiener euch sich zu- — Und die Folgen? Wie sie nicht anders sein können; Gott wendet man sich nicht zu, dem Baal entreißt man sich nicht, und vielleicht eine Zeit lang, wenn die Heuchelei mit der umsichtigsten „Klugheit" geübt wird, gewinnen sie die Herzen; aber es wird dennoch nicht bestehn. Der Baalsdienst hört auf, ihr Ansehn zerstiebt, aber die Herzen sind auch Gott entfremdet. Daher der leidige Jndifferentismus; man hält jedes Aufstreben zurück; Klugheit und Nichts als Klugheit, die Sache der Religion wird mit diplomatischer Kälte abgemacht, kein Ernst, kein Eifer; blos die Parteien werden abgewogen, nicht die Meinungen; blos zwischen den Menschen sucht man zu vermitteln, nicht aber zwischen den streitenden Ansichten eine gesunde und kräftige eigne hinzustellen. — Daß es einzelne Männer giebt, die zu keiner der genannten Parteien gehören und gern mit Entschiedenheit auftreten würden, wenn sie nicht so einsam stünden, erkennen wir gern an, und es ist dieß schon traurige Folge genug, daß solche Männer zaghaft zurücktreten müssen. Nicht minder traurig zeigen sich diese Folgen in der Wissenschaft, in unserer jüdischen Litteratur. Die Rabbiner, diejenigen Leute, die in der Mitte des praktisch-religiösen Lebens stehen und walten, ziehen sich zurück; und treten sie hervor, so muß dieß natürlich so sein, daß darr