Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Heuchelei, die erste Anforderung an den jungen Rabbiner unserer Zeit
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 13)
- Language
- German
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an den jungen Rabbiner unserer Zeit. 297 Das Urtheil über Andere, die, weil ernster, weil frömmer als sie, auch entschieden auftrcten, umgehn sie, wenn es von ihnen verlangt wird; sie sagen, daß sie blos über die Kenntnisse u.s.w. Bericht geben konnten, die sie befriedigten, fügen aber schlau Erkundigungen bei, die sie von Leuten einholen, deren widerstrebende Ansichten sie schon von vorn herein wußten; sie stehn im Hintergründe und haben daher keine Verantwortlichkeit. Den Regierungen gegenüber, welche Verbesserungen verlangen, berufen sie sich darauf, daß die bestehende Religion doch einmal ein Band sei, dem man sich nicht entziehen dürfe, wenn auch ihre individuellen Ansichten abweichen sollten. Ueberhaupt ist das Wenn und das Aber für sie eine Hauptstütze; es wird Alles in zweifelhaften Sätzen ausgestellt, gesetzt auch, zugegeben u. dgl. Eine entschiedene, offene Hcrzensmeinung hört man niemals von ihnen. Da vergleicht sie nur einmal mit den Rabbinern der Vorzeit, wie würdig diese, ihnen gegenüber, erscheinen! Sie traten frei und kräftig auf, erlaubten, was sie für erlaubt hielten, ohne Zagen, bewahrten strenge das ihnen wichtig Scheinende, traten in offenem Feuereifer auf gegen solche, die ihnen verderblich schienen. Dort war Redlichkeit, aber hier sind die ersagt...« Wer daher einen solchen Gebrauch abschaffen kann, thut wohl daran; jedoch auf friedlichem Wege, denn Nichts kann dem Streite gleichkommen. Aber auf den Gebrauch haben wir nicht zu achten, denn schon Zomtob den Abraham sagt, daß es m Bezug auf einen gesetzwidrigen Gebrauch immer auf die Ansicht desjenigen Lehrers ankommen müsse, der zur Zeit sei; nur nach dem Geistlichen unserer Tage haben wir uns zu richten." Da war Redlichkeit und Geradheit; da war Gottesfurcht/ die der Klugheit vorangieng.'