Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Heuchelei, die erste Anforderung an den jungen Rabbiner unserer Zeit
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 11)
- Language
- German
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an den jungen Rabbiner unserer Zeit. 295 wie befriedigt man die verschiedenen Ansprüche , damit man mit uns zufrieden sei und wir in Ansehn und Einkünften steigen? wie verwirret man den Sinn, damit Alle glauben, wir thäten nach ihrem Willen? Nicht die Befriedigung, sondern die Zufriedenheit ist ihr Wunsch; nicht zu Heiken, sondern von der Heilung zu sprechen und ste herumzuziehen. Sie haben keinen Willen; sie richten sich immer nach den Wünschen der oder jenen Seite, von woher sie sich gerade vernehmlicher machen. An sie richtet der Prophet Ezechiel das Wort: „Wehe, ihr Hirten Israels, die es weiden sollen! Die Schaafe weiden ja die Hirten! Das Fett verzehrt ihr, die Wolle zieht ihr an, das Gesunde schlachtet ihr; aber die Schaafe weidet ihr nicht! Die Schwachen stärkt ihr nicht, das Kranke heilt ihr nicht, das Gebrochene verbindet ihr nicht, das Verstoßene bringt ihr nicht zurück, das Verlorne sucht ihr nicht; gewaltsam wollt ihr sie erdrücken. Daher zerstreuen sie sich ohne Hirten, sind zum Fräße den Thieren des Feldes und — sind zerstreut. Sie irren umher auf allen Bergen und jedem hohen Hügel; auf der ganzen Erde sind zerstreut meine Schaafe, Niemand forschet, Niemand sucht nach ihnen." — Und welche Unerquicklichkeit zeigt sich daher in ihrem „klugen" Verfahren! Sie gehn erst einen Schritt hin, dann wieder zurück. Zuerst halten sie sich ganz zu den Formgläubigen, suchen diesen dennoch bald Kleinigkeiten zu entziehen, nachdem sie sich deren Zutrauen erworben zu haben glauben , um auch Andere zufrieden zu stellen» Sie sprechen von Aenderungen, die getroffen werden müßten, bemerken aber schnell dabei, wie diese gar verschieden seien vos denjenigen, welche gewöhnlich verlangt würden,