Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Heuchelei, die erste Anforderung an den jungen Rabbiner unserer Zeit
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 10)
- Language
- German
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294 I. Heuchelei, die erste Anforderung sie sprechen nicht, sie schreiben nicht, sie handeln nicht. „Nur sein Fleisch hat Schmerz über ihn; nur seine Seele trauert über ihn." Sie tragen mit sich umher die klaffende Wunde; sie trauern über die Zeit, sik trauern über die eigne Unthätigkeit, über die eigne Rathlosigkeit. Wir lieben sie, wir achten sie; aber wir bedauern sie herzlich. Aber die Ersten nehmen beständig ab, und der Zweiten sind äußerst Wenige; sie leiden blos am Kopfe oder an Willenskraft, nicht, am Herzen oder an Willensgüte; sie führen die Zeit nicht irre, wenn sie sich auch nicht in sie hineinfinden können; die Verständigen werden an ihnen irre, gehen zuweilen kopfschüttelnd an ihnen vorüber, begreifen sie nicht, folgen ihnen auch nicht; sie sind schädlich, aber nicht mit Willen; sie mögen in Einzelheiten übel, sehr übel einwirken, aber sie verschlechtern keine Gesinnung. Gebe Gott, daß im Charakter Alle ihnen gleichen! Aber da giebt es eine dritte Classe, die unsere ganze Verachtung in Anspruch nimmt. Leute ohne Gemüth, in deren Geiste wohl Widersprüche klar geworden sind, die wohl einsehen, wie vieles Alte auch veraltet sei, die aber nicht einen lebhaften Wunsch empfinden, ein Erneutes, Fortentwickeltes, Ganzes, Lebensvolles herzustellen; die in sich sogar völlig erstorben sind für den bestehenden Glauben, und kein Sehnen nach einem lebendigen haben; die wohl wissen, daß die Gegenwart kein Genüge findet an dem, was sie besitzet, denen es aber gleichgültig ist, sie wieder zu durchdringen und zu beseelen; kurz, die nichts Anderes zu ihrem Ziele machen, als eine gute Stelle, die sie warm hält. Die Klugheit ist ihr Idol. Sie legen sich beständig die Frage vor:.