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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1835-01-01 · Heft 3 · p. Seite 292

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1835
Issue
Heft 3
Article
Heuchelei, die erste Anforderung an den jungen Rabbiner unserer Zeit
Date
1835-01-01
Page
Seite 292 (sequence 8)
Language
German
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292 I. Heuchelei, dieerste Anforderung. Also wir bedürfen kräftiger und redlicher Geistlicher. Und wie sehen wix sie in Israel? Zum Theile kennen sie gax nicht den Ruf unserer Tage; der rasche Pulsschlag unserer Zeit ist an ihnen spurlos vorübergegangen; sie meinen, nicht ein unbefriedigtes schmerzliches Sehnen sei eingezvgen in Aller Herzen, das freilich zuweilen, weil sie nicht zur Einigung mit sich selbst kommen, in schwelgerischen Genuß sich ersäufen wolle, sondern, es sei bloße Sinnenlust, die sich derselben bemächtigt habe, ohne deren tieferen Grund zu ahnen; ein Jrrthum, über welchen die Erscheinungen in der Christenheit sie belehren könnten, wo sich auf der einen Seite, verzehrend und kränkelnd entweder am Geiste oder am Herzen, Mysticismus oder Pietismus zeigt, auf der andern Seite ebenfalls gänzliches Loösagen eintritt, das blos nicht so äußerlich wie im Juventhum hervortritt. Sie wissen nicht, daß solche Erscheinungen eine Folge gewaltiger Spannungen sind, wo man entweder dem Ueberreize oder der Reizlosigkeit verfällt; sie wissen daher gar nicht, daß ein Zwiespalt da sei, der im Geist und im Herzen unheimlich sich kund thue, daß diejenigen, welche sie oft in Genuß versunken glauben, an unheilbaren Wunden leiden, und die Erscheinungen, die ihnen ein Solches zeigen könnten, begreifen sie nicht. „ Wer ist blind, wenn nicht mein Knecht? taub wie mein Bote, den ich sende? Vieles sehn! Du beachtest es nicht; die Ohren öffnen! er hört es nicht." Sie sind beschränkt und verdienen unser Mitleiden. — Andere kennen den Kampf; sie wissen, woran die Zeit krank darnieder liegt. Haben sie -ja in sich selbst schon genug gelitten und gerungen! Aber sie haben gewaltsam und mühevoll niederdrückend alle Aufregung verscheucht. Sie kennen den Kampf, wollen

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