Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Heuchelei, die erste Anforderung an den jungen Rabbiner unserer Zeit
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 291 (sequence 7)
- Language
- German
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an den jungen Rabbiner unserer Zeit. 221 stellt habe. Was hat man von der Wirksamkeit des Geistlichen zu erwarten? Daß er auch den Andern anschaulich mache, wie die Zeit eine Umwälzung hervorgebracht, daß er den Erstarrten zeige, daß sie erstarrt seien und sich gewaltsam emporreißen müssen aus diesem Tode des Geistes und des Herzens; daß er die Versunkenen und Glaubenslosen erschüttere und in ihnen errege das Sehnen und das Streben nach einem belebenden Glauben, ^daß er ihnen zeige, wie ihre vermeintliche Geistesstarke, weil sie sich losgcrissen haben, bloße Schwäche sei, indem sie den ernsten inner» Kampf doch scheuen und nach keiner sie durchdringenden Ueberzeugung streben; daß er aber auch dann beharrlich darauf dringe, daß sowohl diese beiden, wenn sie erwacht sind, als auch die in ungewissen Gefühlen sich Sehnenden kräftig sich zum Bewußtsein bringen, wie nicht mit flacher Vermittelung und mit theilweisem Annehmen und theilweisem Verwerfen Alles abgemacht sei, sondern daß die Gestaltung des Glaubens aus einem Gusse sein müsse; daß sie nicht zaghaft sich scheuen, sich von Gewohnheiten loszusazen und sich nicht begnügen mit Uebcrtragung ihres warmen Gefühles auf leere Förmlichkeiten, sondern daß sie die Wunde nur dann heilen, wenn sie die wunde PtGe völlig vertreiben und es so möglich machen, daß gesundes Fleisch entstehe. Was hat man vom Charakter des Geistlichen zu fordern? Daß er Kraft besitze, den KamMzu führen in sich und nach Außen; daß er Redlichkeit besitze, die Nothwendigkeit des Kampfes einzugestehn. Ist er schwach genug, sich selbst mit dem Schwanken zu begnügen, so mag er sich unter der Masse verlieren und selbst der heilenden Hand warte»; ist er unredlich genug, den Kampf zu verheimlichen» um etwa nirgends anzuftvßen» so ist er schlecht. —^