Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Heuchelei, die erste Anforderung an den jungen Rabbiner unserer Zeit
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 6)
- Language
- German
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290!. Heuchelei, die erste Anforderung sich nicht beruhigen; der Geist fühlt sich beengt, das Herz bleibt leer, und so will auch der Wille die ihm aufgebürdeten Lasten nicht mehr tragen. In solchem Zustande ist ein Lheil der Gemeinden, ein anderer hingegen im frühern; der Rabbiner gehört, seiner Ueberzeugung nach, entweder dem einen oder dem andern Theile an. Fühlt nun auch er sich leer und unbefriedigt, so muß er neu zu schaffen, umzuschaffen, die reine Idee des Judenthums fortzubilden suchen; fühlt er sich mit dem Bestehenden verwachsen, so muß er es zu erhalten suchen: aber die traurigste Erscheinung ist jenes Schaukelsystem, das bald hiehin bald dorthin sich neiget, es mit Keinem verderben will, leise und schleichend auftritt, sich selbst und Andere tauschen will. Und sie ist leider die häufigste! Es ist nicht zu läugnen, daß jetzt einer der schwersten Standpunkte der des jüdischen Geistlichen ist. Er sieht zwei ganz unheilvolle Extreme vor sich, die Einen verknöchert, die Anderen von jedem Glaubensbande losgerissen; das sind diejenigen, welche betäubt worden sind von dem Donner der Zeit. In der Mitte stehen Leute, die eine Wunde und eine Sehnsucht im Herzen fühlen, denen der allgemeine Riß auch ins Herz gedrungen ist, die vom Alten losgetrennt sind und ein Neugestaltetes vermissen. Sie wissen nicht, wohin sie ihre fromme RegMg tragen sollen; Herz und Kopf ist im beständigen Widerspruche, und sie harren bange der Lösung. Was hat man nun vom Geistlichen zu verlangen? Daß er sich bewußt worden dieses Kampfes, daß er in sich den Balsam gefunden, der die Wunde heile, daß er den Riß in sich nicht gestickt habe und nicht zu verdecken suche, sondern daß er ihn völlig geheilt, das Untaugliche weggewvrfen und ein Ganzes in sich herge-