Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 2
- Article
- Frankfurt [Nachricht]
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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258 Nachrichten aus der Synagoge. güng der Schulen des Sprengels auf Kosten der Gemeindecasse angeordnet seyn. Es ist nach der angegebenen Instruction blos dem Zufälle anheimgegeben, ob den Rabbiner eine Trauung oder noch seltnere Fälle, wie Ehescheidungen us. w. in eines der 98 Dörfer, welche zu seinem Sprengel gehören, hinführt, mld bei der geringen Anzahl der Juden in den meisten ist es möglich, daß 10 Jahre verstreichen können, ohne daß manches das Glück genossen, sein geistliches Oberhaupt von Angesicht zu Angesicht zu schauen! An der Rcligionsschule seines Wohnortes hat er die doppelte Pflicht der häufigen Visitation und der Ertheilung des Confirmationsunterrichts. Jene theilt er mit den christlichen Geistlichen an ihren Schulen, und der §. 5. bedarf sogar zu seiner Erklärung der Vergleichung des §. 38. der allgemeinen Schulordnung, wo gesagt wird, daß die Geistlichen wöchentlich wenigstens zweimal die Schule des Ortes, den sie bewohnen, zu besuchen, bei diesem Besuche jedesmal über eine Neligionsmaterie selbst Unterricht zu crtheilen, die Kinder über das seit dem letzten Besuche Vorgetragene theilweise zu prüfen verpflichtet sind, u. s. w. — Allein der Religionsunterricht an die Confirmanden durch den Geistlichen kommt uns in diesem Falle wieder als eine offene Inkonsequenz vor, und wir sind vergebens bestrebt, diesen §. zu begreifen. Nirgends war der Begriff des Religionsunterrichtes mannichfacher gedeutet, als bei den Israeliten. Früher verstand man darunter sogar den Unterricht im Lesen des Hebräischen, weil es die erste Vermittelung zum Verständnisse der Religionsurkunden bot; das Lesen und Uebersetzen dieser aus der Ursprache in die Landessprache folgte, und sogar das Studium des Thalmuds genoß diese Weihe. Später kam der Unterricht in biblischer Geschichte Hinzu, weil man einsah, daß es unmöglich sey, dem Kinde den ganzen historischen Theil der Bibel im steten Uebersetzen beizubringen; man fügte auch noch hebräische Sprachlehre hinzu, und wollte so jungen Kindern die Gesetze eines ihnen völlig fremden Sprachidioms einprägen, damit sie das durch Selbsthilfe verstehen lernten, wozu es dem Lehrer an Zeit gebrach.