Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jüdische Geschichte [Rezension]
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2929020-2929021-2929024-2929303--0253-2929408- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
190 Recensionen. Theile, denn gerade die Art und Weise, die unter diesen Männern selbst gar sehr verschieden war — wie wir dies bei den drei Mittlern in dieser Zeitschrift darzuthun uns bemühen — und welche von den Geschichtschreibern gar nicht nachgewiesen wird, ist auch ebenso verschieden von der Art des Vernunftgebrauches, wie ihn diejenigen, welche sich durch das Beispiel dieser Männer vertheivigen wollten, in Anspruch nehmen. Es gilt also bei der Darstellung dieser Männer nicht bloß die nicht hinreichende Lhatsache, daß sie philosophirten, und mit gesundem Verstände manchem Vorurtheile Hohn sprachen, sondern es muß hier ganz besonders betrachtet werden, wie sie philosophirten, dem auch wohl eine Würdigung ihrer Versuche angefügt werden kann. — Wenn bei irgend Einem aber die bloße Erklärung, er habe den Vernunftgebrauch in religiösen Meinungen durch sein Beispiel geheiligt, zu Jrrthümcrn verleiten kann, so ist es bei Saadias. Während nämlich die andern von uns angeführten Männer, etwa mit Ausnahme des in sich selbst unklaren Ebn Esra, ein konsequentes philosophisches System sich gebildet hatten, das freilich durch >oie positive Religion geleitet war, das aber nach seiner Vollendung ganz und gar keiner äußern Stütze bedurfte, im Gegengentheile der positiven Religion nunmehr zur Stütze gereichen sollte: so war für Saadias die Philosophie nur ein Außenwerk, das einzig und allein angewandt wurde, um das Innere gegen Angriffe zu decken, aber an und für sich weder Gehalt noch Bedeutung hatte, nur insofern es dem Feinde scheinbare Schwächen zu bedecken wußte. Ihm ist die Philosophie daher nur eine dialektische Waffe, die er freilich nicht immer mit großem Ge-