Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die wissenschaftliche Ausbildung des Judenthums in den zwei ersten Jahrhunderten des zweiten Jahrtausends bis zum Auftreten des Maimonides
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2929020-2929021-2929024-2929302--0220-2929376- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
158 H. Die zwei ersten Jahrhunderte barer für seine Entwickelung und einwirkender auf seine Gestaltung war derjenige Mysticismus, der in seiner Poetischen Weltanschauung, in seiner Ahnung über Las Jneinandergreifen des Sichtbaren und Unsichtbaren, in seiner Vergeistigung der Materie, in der sinnvollen Bedeutung, die er Unscheinbarem zu geben weiß, und der, selbst geistig und philosophisch durchgebiloet, eine höhere Speculation erfassen will— welcher sich in Juda ben Samuel Hallevi, dem gefeierten Sänger, dem Tieft fühlenden und für jüdischen Glauben Begeisterten, kund gab, und dessen Ansicht die nun sehr bald in völliger Ausbildung gejchichtlich vor uns auftretende Kabbelah durchdringet. Indem er mit dichterischem Sinne — obgleich er in Bezug auf die nothwendige dramatische Darstellung im Dialoge sehr unbefriedigt läßt — seine Apologie des Judenthums an die Sage von der Bekehrung eines Chazarenkönigs — woher der Name des Buches: Cosri — durch einen Rabbinen anreiht, daher zuerst mit kurzen, aber treffenden Zügen die damals gangbare philosophische, christliche und mohamedanische Religionsans sicht charakterisirt, deren Widerlegung aber fast mehr theils dem Leser selbst überläßt, theils auch bei der nachher unternommenen Begründung des jüdischen Glaubens wohl für überflüssig hält: so giebt schon, in ziemlichem Gegensätze mit Bechai, der Anlaß, den der Chazarcns könig bei ihm, wie es scheint, der Sage gemäß, zur Bekehrung hat, seine Grundansicht zu erkennen. Der König, so erzählt er uns, lebte fromm und den Gebräuchen seiner Religion ergeben, aber dennoch kam ihm mehrmals eine nächtliche Erscheinung, die ihm andeutete, seine Gel sinnung sey wohl gut, aber nicht so — seine Handlungen.