Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Mangel an Glaubensinnigkeit in der jetztigen Judenheit
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 5)
- Language
- German
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in der jetzigen Judenheit. 145 halten, sind blos formgläubig, ihnen wohnt nicht ein warmer Glaube inne, der seinen Sitz im Herzen hat und sich von dort aus über ihr Ganzes verbreitet, vielmehr streift er sie blos äußerlich an, sie kennen, wie sich ein alter Lehrer schön ausdrückt, Gliederpflichten, aber keine des Herzens. Wie ließe sich sonst ihr Kampf gegen eine jede neuere Einrichtung erklären, die die Erhebung und Erbauung bezwecket? wie wäre es möglich, daß man so lange die Predigt im Gotteshause zurückhielt und noch zurückhält, bis die Zeit gewaltsam sie heischte oder noch heischt? wie ist es sonst erklärlich, daß sie kaltsinnig eine Veredlung des Cultus, Einführung des ergreifenden Gesanges mit paffender Musikbegleitung, die Einsetzung der im Herzen am tiefsten anklingenden Muttersprache, die Entfernung der vielen, eine wahrhaft erhebende Gotteöverehrung störenden, Gebräuche ablehnten, bis auch hier ihre Nachgiebigkeit, als eine zu späte, erzwungen und der jetzt noch zu beseelende Körper ganz erstorben sein wird? wie könnte man glauben, daß Ordnung, die erste Bedingung für Sammlung des Gemüthes, von ihnen nicht allein nicht mit allen Kräften angestrebt, sondern gehindert wird, sowohl im Gottesdienste, als bei andern religiösen Gelegenheiten, bei Beerdigungen, bei Trauungen u. dgl.? wie möchte es zu deuten sein, daß das Zarte und Liebliche, das so gerne sich anschmiegt, wie das Bepflanzen des Friedhofes mit Blumen und andere sinnige das Herz zur friedlichen Feier führende Anordnungen zu einem widerwärtigen Kampfe Veranlassung geben sollten? Fast alle diese Dinge streiten, so viel mir bekannt, nicht einmal mit nur irgend einem von der spätesten Zeit in ihrer versunkensten Aeußerlichkeit erdachten