Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Mangel an Glaubensinnigkeit in der jetztigen Judenheit
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 4)
- Language
- German
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144 1. Der Mangel an Glaubensinnigkeit verbindet sich, ganz ohne daß der kritisirende Verstand die Initiative ergriff, entweder mit dem Vorhandenen immer eine symbolische Bedeutung, es bildet sich selbst zugleich die entsprechende Form aus, oder diejenigen Hebungen, die einer solchen Idealität für unsere Zeit gänzlich entbehren, treten in den Hintergrund und schwinden endlich ganz. Denn die Gebräuche, die Versinnlichung der Anschauungen, die der religiöse Mensch in sich trägt, sind wandelbar, und sie müssen oft nicht bloö den Fortschritten der Aufklärung und Gesittung weichen, sondern verlieren auch ihr Anmuthiges und Freudigerhebendes. Beseelte nun die Synagoge eine solche Glaubcnsinnigkeit, wäre sie durchdrungen von innerlich wirkenden und in äußere Zeichen hervorbrechenden religiösen Ideen, wehrte in ihr jener erhabene und zugleich demüthige Geist, der dem Menschen bei ernster Selbstbetrachtung als sein eigenthümlichstes Wesen offenbar wird: so müßten auch die Aeußcrungen, die in ihr sich kund geben, Erzeugnisse dieses Geistes sein, so müßten die Formen, mit denen sie sich umkleidet, ausgeprägt sein mit dem Stempel des Gemüthlichen, das einen jeden Gebrauch hebet und weihet. Dies ist auch das Bestreben, das manche Führer im Judenthume leitet, dies ist das Bedürfniß, das viele, die ihrem innersten Gefühle folgen, befriedigt sehen möchten; aber noch ist in den beiden Theilen, in, welche das jetzige Judenthum sich trennt, eine solche Ansicht nicht kräftig genug geworden, indem bei beiden mehr gefordert wird, es solle der durch den Verstand erzeugeten Meinung gehuldigt werden, ohne daß auf die Anforderungen des gläubigen Herzens Rücksicht genommen wird. Diejenigen, welche streng an dem Hergebrachten