Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Mangel an Glaubensinnigkeit in der jetztigen Judenheit
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 3)
- Language
- German
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143 in der jetzigen Judenh-it. webt dieser religiöse Grundzug in uns ist, um so mehr muß auch die religiöse Uebung der Gestalt sein, daß sie das zarte Gcmüthsleben nicht sowohl Niederdrücke, als anrege, daß sie das Geistige im Menschen berühre, Anklänge in ihm verwandter Art Hervorrufe, damit so auch die Religion das Herz immer mehr durchdringe, immer lebendiger in ihm und wenn auch unaussprechbar, jedoch voll kräftigen Dranges sich zu äußern werde. Jemehr die Religion aufs Innigste mit dem poetischen Gefühle verwandt ist, umsomehr muß auch die Form, in welcher sich zwar nie völlig weder das Wesen der Poesie noch der Religion auszudrücken vermag, die aber als deren Erguß auch zugleich wieder neue Nahrung für dieselbe bietet, um somehr muß diese Form auch die Merkmale des Schönen, des Erhebenden und des dem Gefühle Entsprechenden an sich tragen. Da wo ein warmer, inniger Glaube im Menschen lebet, stellet sich auch das Bedürfniß nach dem Herzlichen und Ansprechenden, wo die zartesten Saiten des Innern angeregt werden, ein, da genüget selbst bei der strengsten Anhänglichkeit an das Herkömmliche nicht die größte Masse von Gebräuchen und Ceremonien, wenn ihre Form nicht von dem belebenden Hauche geistiger MZ gemüthsicher Anregung angewehet ist, wenn sie nicht mit beredter Zunge dem innern Ohre Worte aus einer hohem Heimath verkünden, wenn sie nicht mit geweihetem Finger eine Schrift in die Herzenstafeln tief eingraben. Diese Glaubenswärme durchbricht alle Fesseln der Glaubensstarrheit, an dem Feuer dieses innigen Gefühles schmelzen alle Cisrinden, die eine versteinerte Vergangenheit um das Herz legt; in diesem glücklich gebildeten Herzen 11 *