Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 1
- Article
- Grundlehren des israelitischen Glaubens
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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HI. Grundlehren des Israelit. Glaubens. 49 Er bemerkt mit Recht, daß nicht Alles, was sich bei einem gründlichen Studium der heil. Schriften als wahr herausstellt, darum für eine Grundlehre der Religion gelten könne, da in diesem Falle die Religion so viele Grundlehren hätte, als es Wunder und Verheißungen giebt. Man könne allerdings nicht der Gemeinschaft Jsrael's angehören, wenn man nicht den ganzen Inhalt der mosaischen Bücher glaube; da aber die meisten Stellen dieser Bücher verschiedener Deutungen fähig seien, so sei der israelitsche Gottesgelehrte nur dazu verpflichtet, mit Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe nach dem Sinne der Schriftstellen zu forschen, und das zu beherzigen, was sich ihm als Wahrheit herausstellt, ohne daß es ihm zur Sünde angerechnet werden könne, oder daß überhaupt seiner Frömmigkeit Abbruch geschehe, wenn seine Forschungen ihn auf einen Jrrthum führen sollten. Man dürfe überhaupt bei der Aufstellung von Grundlehren der Religion nicht anders als mit der größten Bedächtigkeit zu Werke gehn, weil man dabei Gefahr laufe, Männer von der anerkanntesten Frömmigkeit zu verketzern. Nach Maimonides sei R. Hillel, der keinen Messias erwartete, ein Ungläubiger, Kofer; hingegen nehme er an, es sei aus der heiligen Schrift nicht erwiesen, daß vor den sechs Schöpfungstagen kein Stoff eristirt habe, aus welchem unser Weltall gebildet worden sei. Andere hingegen halten den Satz, daß Gott an den sechs Schöpfungstagen die Welt aus dem Nichts in's Dasein gerufen habe, für eine Grundlehre der Religion, und nach ihnen müßte man den frommen Talmudisten R. Elieser zu den Kofrim zählen, denn dieser habe angegeben, woher der 4