Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 1
- Article
- Grundlehren des israelitischen Glaubens
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 6)
- Language
- German
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44 HI. Grundlehren des israelit. Glaubens. gingen, immer mit der Wahrheit in Einklang waren. Diese Beschränkung der geistlichen Gewalt der obersten Religionsbehörde ist auch von derselben nie verkannt worden, und es läßt sich kein Beispiel aufweisen, daß eine israelitische Synode sich ihrer kirchlichen Autorität zur Feststellung eines Dogma bedient hätte. Die heilige Schrift wäre demnach die einzige Fundgrube der israelitischen Glaubenslehre, selbst für die strengsten Anhänger des Talmuds, welche in ihrem Eifer nicht so weit gehen, daß ste aller Consequenz in ihren Ansichten entsagen. Selbst Tradition kann hier nicht geltend gemacht werden, da in dem Talmud nie von einer Tradition über Glaubenssachen die Rede ist *), so daß wir zur Prüfung der jüdischen Dogmen nothwendig die Bibel zur Hand nehmen müssen, um dieselben zu bestätigen oder zu widerlegen. Die Ausbildung und Berichtigung der israelitischen Glaubenslehre ist eine Sache des wissenschaftlichen Forschens und nicht der kirchlichen Autorität. Jeder darf hier in höchster Instanz entscheiden, aber nur für sich selbst, so wie umgekehrt die Übereinstimmung einer noch so ausgedehnten Majorität das Gewissen eines einzelnen Dissidenten nicht beunruhigen kann, wenn sie sich diesem nicht als in der Vernunft und in der Bibel begründet darstellt. Die zahlreichen Lehrbücher des mosaischen Glaubens, welche seit zwanzig Jahren erschienen sind, bieten einen auf- *) Der Talmud behauptet im Gcgentheilc ausdrücklich, daß über alle Punkte des Glaubens blos die Exegese gültig sei. r-rnrn „Wer steigt hinauf, kommt wieder herunter und sagt es uns? Wir erklären daher nur die Bibel" (Mackhoth 23 d). D. R.