Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 1
- Article
- Grundlehren des israelitischen Glaubens
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2929020-2929021-2929023-2929086--0056-2929183- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4S M. Grundlehrcn des israelit. Glaubens. senheit der innern Überzeugung, höchstens so viel über uns gewinnen können, daß wir, aus Ehrfurcht gegen den, welcher uns die Belehrungen darbietet, uns jedes entschieden absprechenden Urtheils enthalten und Mißtrauen gegen unser eigenes Denkvermögen hegen. Der Jsraelite kann daher wohl durch Skepticismus sich unglücklich machen, und dadurch gar aufhören, seiner Glaubensgemeinde anzugehören, aber er befindet sich dadurch in einem' Falle, den die mosaische Gesetzgebung nicht berührt, weil er in der That der einer unnatürlichen Geistesverirrung ist und den, welcher sich in ihm befindet, wohl des tiefsten Mitleids, aber nicht der Strafe würdig macht. Die israelitische Glaubenslehre unterscheidet sich ihrer Natur nach von der israelitischen Pflichtenlehre wesentlich darin, daß bei ihr von geistlicher Autorität keine Rede sein kann. Wenn die höchste Relkgionsbehörde sich vormals die Befugniß beilegte, religiöse Einrichtungen zu treffen, die für alle Israeliten bindende Kraft haben, so berief sie sich nicht auf eine Inspiration, die sie mit dem göttlichen Willen bekannt mache, sondern auf eine im Pentateuch angedcutete Ermächtigung (S. Thariag, Geböte Nr. 111), vermöge welcher die Entwickelung und Ausbildung der mosaischen Gesetze durch die höchste Religionsbehörde geleitet werden soll, deren Entscheidungen so wenig als Emanationen des göttlichen Geistes betrachtet wurden, daß gerade da, wo es auf die Auflösung schwieriger Punkte im Ritualwesen ankam, die Stimme der Propheten, als Propheten, nicht geachtet wurde, und wunderbare Erscheinungen oder übernatürliche Stimmen, die sich vernehmen ließen, keine