Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Judenthum unserer Zeit und die Bestrebungen in ihm
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 I. Das Judenthum unserer Zeit nagoge in sich stark ist, und das ist sie, wenn sie in sich und von ihrem Kerne aus ihre Entwicklung erstrebt, wird sie auch würdig gegen außen stehn. Aber ein solcher Stand der Dinge ist immer nicht der erfreulichste, er lastet am drückendsten auf dem Theologen. Der hat schon genug zu thun, wenn er in seinem eigenen Herzen den Kampf zwischen Vergangenheit und Gegenwart auszugleichen sich bemüht und in seinem Geiste die Mittel erwägt, wie hier am erfolgereichsten gewirkt werden könne. Aber in diesen wichtigen Erwägungen, die die ganze Kraft des Geistes erfordern und zwar in voller Ruhe, da stürmt es mächtig auf ihn und von allen Seiten. „Bewahre dich, daß du einen Schritt weichest von dem, was bis jetzt ist," lautet hier das Machtgebot; >,mit riesigen Schritten," tönet dort der drohende Zuruf, „vorwärts gegangen, sonst bist du ein Jesuit, ein Heuchler, ein Obscurant, ein Orthodoxe und wie alle diese Titelchen noch weiter heißen." Da kommt der Laie mit wohlweisen Rathschlägen überall, aber er kennt den Boden nicht, und bekritteln ist so angenehm. Und die Theologen, was bieten diese für Hoffnungen? Daß nur sie allein, wenn sie völlig vertraut mit dem ganzen wundersamen geschichtlich zusammengefügten Gebäude unserer Religion sind und zugleich auf der Höhe der Zeit stehn, daß nur sie allein durch gelehrte wie praktische Wirksamkeit das Heil Israels fördern köngen, wagen wir kühn zu behaupten« Daß sie es in den letzten 50 Jahren nicht gefördert, daß vielmehr ihr unzeitiger Kampf sowohl durch das krampfhafte Zurückhalten einerseits, als auch dadurch, daß sie das Heft