Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Judenthum unserer Zeit und die Bestrebungen in ihm
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 l Das Judenthum unserer Zeit wie künstlerischen Sinnes eine höhere Befriedigung im Glauben suchet, ihre alte Verehrung noch beibehalten können. Daher giebt es so viele Gebräuche in der Synagoge (und wir verstehn hierunter das ganze religiöse Leben im Judenthum), die sinnvoll und dem Begriffe nach würdig sind, aber durch ihre jetzige äußere Erscheinung gar Manchem zum Spott und Gelächter werden^ — So hat also die frühere Schmach, die noch nicht ganz abgewälzt ist, auch unfern Glauben verpestet, indem sie den Geist soviel wie möglich zerknickt und die Form soviel wie möglich verunstaltet hat. Dies ist also der Kampf, der im Judenthum blutiger werden muß, da auf diese Weise nothwendig die Kluft zwischen dem Bestehenden und dem, wie es sein soll, größer ist, als anderswo. Und damit ist es noch nicht genug. Wo das Überkommene von den Zeitansichten so weit absteht, da giebt es nothwendig zwei streng geschiedene Parteien. Die eine (wir kennen sie), sie will mit wenigen Ausnahmen Alles so , lassen, wie es ist, was sie einmal für heilig hält, das soll ihr auch Keiner rauben, sie spottet der Geschichte und aller Fortschritte der Zeit, das ist für sie ein Unding; aber sie spottet auch des wahren Geistes, der die Synagoge belebt, und dies weiß sie nicht, glaubt es auch nicht, denn Beweise haben da keine Kraft. Das andre Extrem, wie könnte es bei solchen Umständen fehlen? Weil das Judenthum, wie es jetzt besteht, an Mängeln leidet, darum soll es gar nicht bestehn, abgeschnitten soll Alles bis auf die Wurzel werden, und ein dünnes, mageres Bäumchen, das nicht Wurzel schlägt, nicht Blüthen trägt, nicht Früchte bringt, das kaum