Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Fürsorgeerziehung in Deutschland
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 503 (sequence 20)
- Language
- German
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GESCHICHTE JÜDISCHER FÜRSORGEERZIEHUNG 503 setzen als in ruhigen, unbewegteren Zeitabschnitten. An verschiedensten Stellen versuchte man mit Erfolg moderne pädagogische Theorie und Praxis in Einklang zu bringen. Man bemühte sich, diesen neuen pädagogischen Grundsätzen, die gestützt waren durch neuartige psychologische Forschungen und andersartige Einstellung zum gesamten Problem der Fürsorge überhaupt, auch in der jüdischen Fürsorgeerziehung Geltung zu verschaffen. Die Führung in diesem Kampf übernahm die Kommission für Gefährdelenfürsorge, die von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden eingerichtet worden war, und der außer dieser angehörten: Die Fürsorgekommission des D. I. G. B., der Jüdische Frauenbund, der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände, das Wohlfahrts- und Jugendamt der Gemeinde Berlin. Zunächst versuchte man, zeitgemäße Reformen in der Anstalt Repzin einzuführen, soweit die örtlichen Verhältnisse dies ermöglichten. Man stellte als Aufseher nur noch geprüfte Handwerksmeister ein und setzte die Anerkennung der Anstaltsbetriebe (Schuhmacherei, Schneiderei, Tischlerei, Landwirtschaft und Gärtnerei) als Lehrwerkstätten durch. Hierdurch ergab sich der Vorteil, daß den Jugendlichen die Lehrzeit in den Anstaltsbetrieben auf ihre spätere Berufsausbildung angerechnet wurde. Es gelang auch, einen Psychiater, dessen Mitwirkung bei diesem schwierigen Erziehungswerk unbedingt, notwendig ist, zu gewinnen; dieser besuchte die Anstalt in regelmäßigen Abständen. Der bauliche Zustand der Anstalt Repzin hatte sich in der Kriegs¬ und Nachkriegszeit erheblich verschlechtert. Ein Revisionsbericht des Berliner Jugendamtes bemängelte den Zustand der Anstalt. Während die Kreise des D. I. G. B. bemüht waren, durch umfangreiche Reparaturen das Austaltsgebäude wieder instand zu setzen, drängte man seitens der Gefährdeten-Kommission auf Schließung der Anstalt Repzin und Aufbau einer neuen Anstalt, nahe einem jüdischen Zentrum, geführt nach modernen pädagogischen Prinzipien. Man glaubte, erfolgreiche Erziehungsarbeit in neuzeitlichem Geiste nur in einer anderen Atmosphäre, in einem neuen Heim, geführt von neuen Menschen, leisten zu können. Diese Ansicht setzte sich durch, und so beschloß der D. I. G. B. 1927 gemeinsam mit der Gefährdeten-Kommission den Kauf eines neuen Grundstückes in Wolzig bei Königswusterhausen, in der Nähe von Berlin. Durch die örtliche Nähe zu einer Großstadt sind für die neue Anstalt all die ungünstigen Einwirkungen gegenstandslos, die sich für Repzin aus seiner geographischen Lage ergaben. In der dörflich abgeschlossenen Einsamkeit waren Leiter, Erzieher und Zöglinge ganz auf