Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Fürsorgeerziehung in Deutschland
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 502 (sequence 19)
- Language
- German
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502 ME N O RAH und insbesondere in der Nachkriegszeit übten fast überall von neuen Idealen getragenen Gedanken ihre Wirkung aus. Die Arbeit in den Erziehungsanstalten wurde —- rein äußerlich betrachtet — durch den Ausbruch des Weltkrieges entscheidend beeinflußt. Besonders zeigte sich dies in der Knabenanstalt. Der Leiter und ein Teil der Erzieher wurden sofort zum Heeresdienste einberufen. Von den älteren Jugendlichen stellten sich 27 freiwillig zum Militärdienst. Die Zahl der Jugendlichen, die zu verwahrlosen drohten, bezw. zur Kriminalität kamen, stieg während des Krieges und in der Nachkriegszeit erheblich. Die Ursachen, die diese Erscheinungen hervorriefen und begünstigten, sind noch in so Irischer Erinnerung, daß sich ein Eingehen darauf erübrigt. Es wurden wesentlich mehr Jugendliche, und keineswegs leichter beeinflußbare, in die Anstalten eingewiesen als früher, und dies alles noch unter besonders ungünstigen äußeren Umständen. Auch in der Mädchenanstalt wirkte sich der Krieg in mannigfacher Hinsicht aus. Die Mädchen, mitgerissen von der allgemeinen Kriegsbegeisterung, widmeten sich gemäß ihren Kräften dem Dienst am Ganzen; sie nähten und strickten für die im Uelde stehenden Soldaten. Der Bau der neuen Anstalt Köpenick, der 1914 begonnen war und Anfang 1915 der Bestimmung übergeben werden sollte, wurde durch den Kriegsausbruch verzögert und erst ein Vierteljahr später als beabsichtigt fertiggestellt. Die Nachkriegszeit, insbesondre die Inflationszeit, stellte an die Menschen, die im Dienste der Anstaltserziehung standen, nicht minder große Anforderungen. Der tägliche Kampf um die Befriedigung äußerer Bedürfnisse verlangte den Einsatz der gesamten Kräfte der Leiter dieser Anstalten. Pädagogische Bemühungen wurden in solcher Zeit naturgemäß etwas in den Hintergrund gedrängt. Dennoch versuchte man in jener Zeit einem pädagogischen Mißstand abzuhelfen, der schon seit Bestehen der Anstalt Bepzin als solcher empfunden wurde. Man bemühte sich, eine räumliche Trennung der Schulkinder von den Schulentlassenen durchzuführen. Die Bäume des Israelitischen Waisenhauses in S e e s e n am Harz, dessen Weitert'ührung durch die Inflation unmöglich gemacht war, sollten für die Unterbringung der Schulkinder benutzt werden. Die Durchführung dieser Absicht scheiterte aber an dem Einspruch der Stadt Seesen, die dieses Gebäude für Wohnzwecke beschlagnahmte. i\l eue pädagogische Erkenntnisse, deren theoretische Grundlegung teilweise schon in der Vorkriegszeit erfolgte, konnten sich jetzt in dieser allem Neuen, Umwälzenden aufgeschlossenen Epoche leichter durch- V.