Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Fürsorgeerziehung in Deutschland
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 498 (sequence 15)
- Language
- German
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4»8 MENORAH ist maßgebend für die Auswahl der Arbeit, es ist keine Tätigkeit, die der beruflichen Ausbildung der Jugendlichen dient, sondern die Arbeit wird einseitig vom Interessenstandpunkt der Anstalt diktiert. Die schulpflichtigen Kinder erhalten in der zur Anstalt Repzin gehörigen Elementarschule lehrplanmäßigen Unterricht, der dem aller Volksschulen entspricht. Die schulentlassenen Zöglinge erhalten im Winter täglich Unterricht in Religion, Hebräisch, Rechnen, Deutsch. Aus einem Revisionsbericht des die Anstalt überwachenden Rabbiners Dr. V o g e 1 s t e i n-Stettin aus dem Jahre 1903 geht hervor, daß die Leistungen in biblischer Geschichte befriedigend sind. ,,Besonders schön wurden die dem Chaniikkah-Fest zu Grunde liegenden Tatsachen vorgetragen. In Religionslehrc wurden die Zehngebote wörtlich und auch inhaltlich gewußt, desgleichen die jüdischen Festtage. Das Hebräisch- Lesen war bei einigen gut zu nennen, die meisten haben allzu wenig Vorkenntnisse mitgebracht, um in der kurzen Zeit schon etwas zu leisten. Ähnliches gilt vom Gebetübersetzen." Zeitgeschichtlich besonders interessant ist es, wenn sich in dem gleichen Revisionsbericht bei einer Beschreibung des Geistes der Anstalt der Satz findet: ,.Auch den Anisehern ist Pflichttreue und erfolgreiche Aufrechterhaltung einer fast militärischen Disziplin nachzurühmen." Die religiöse Erziehung, für die die Grundlage in beiden Anstalten durch Erteilung eines Religionsunterrichtes gelegt wurde, erfuhr ihre lebendige Ergänzung durch regelmäßiges Abhalten von Gottesdiensten, bei denen die männlichen Jugendlichen zu Funktionen herangezogen wurden, und durch würdiges Feiern der Festtage. Eine besondere Rolle spielte hier die Feier des Ghanukkahfestes; die Vorbereitungen zur Feier und die Feier selbst waren für alle immer ein besonderes Vergnügen. Im Prinzip wird die pädagogische Arbeit in der Schwesternanstalt, in der Fürsorgeerziehungsanstalt für Mädchen, in Plötzensee von den gleichen Ideen beherrscht. Unterschiede in der praktischen Ausführung ergeben sich nur aus den vorliegenden verschiedenen Arbeitsbedingungen, die begründet sind in der Lage der Anstalt und der Zusammensetzung der Insassen. Die Anstalt Plötzensee, die ganz nahe bei Berlin liegt, hatte nicht mit all den Schwierigkeiten zu kämpfen, die sich für Repzin durch seine ungünstige Lage in einem kleinen Dörfchen Hinterpommerns ergaben. Durch die Nähe Berlins war die persönliche Zusammenarbeit mit dem Anstaltskuratorium natürlich gegeben. In Plötzensee, das nicht mit einem landwirtschaftlichen Betrieb verbunden war — zur Anstalt gehörte nur ein Garten — spielte die landwirtschaftliche Arbeit keine Rolle. Die Beschäftigung der weiblichen Jugendlichen