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Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. Seite 493

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Zur Geschichte der jüdischen Fürsorgeerziehung in Deutschland
Date
1932-11-01
Page
Seite 493 (sequence 10)
Language
German
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GESCHICHTE JÜDISCHER FÜRSORGEERZIEHUNG 493 Gerade in der Anstaltspäilagogik wirken sich die Gegensätze zwischen alter und neuzeitlicher Auffassung am schärfsten aus. In der abgeschlossenen Anstalt, die die Entwicklung des jugendlichen Menschen in seiner Totalität viel mehr beeinflußt als beispielsweise die Schule, die ja nur e i n Erziehungsfaktor unter vielen anderen gleichzeitig wirkenden ist, bilden sich Erziehungsformen viel schärfer aus und erhalten sich in ihrer Reinheit viel länger. Wenn man die pädagogische Arbeit in den Fürsorge-Erziehungsanstalten in diesen geschichtlichen Zusammenhang stellt, so bedeutet es keinerlei Wertung, wenn man „alte" und , moderne" Pädagogik gegenüberstellt, es kann nur deutlich werden, daß die ,,alte Pädagogik" zu ihrer Zeit genau so „modern" war, wie die ..moderne Pädagogik" einst „alt" sein wird. Nur wenige Berichte stehen zur Verfügung, aus denen es möglich ist, sich ein Bild über die erzieherische Einflußnahme in den jüdischen Anstalten zu machen. Ein Bericht1) über einen Sommerlag in der Anstalt Repzin vermittelt ein lebendiges Bild vom Leben in der dortigen Anstalt: „Die pädagogische Grundidee des Anstaltslebens ist es, die Zöglinge beständig in einer den ganzen Menschen in Anspruch nehmenden Weise zu beschäftigen, damit sie nicht nur Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben, sondern auch von unnützen Gedanken und schlechten Gewohnheiten abgebracht werden. Im Sommer findet um 5 Uhr allgemeines Wecken statt. Für die Körperreinigung, Ordnung des Bettes, Abtrocknen der Wasch- und Spülgefäße steht eine halbe Stunde zur Verfügung. Auf den Glockenschlag Y^ß Uhr erscheinen die Zöglinge im Speisesaal, um dann ihr Morgengebet zu verrichten. Die Einnahme des Morgenimbisses (Kaffee mit Schwarz- und Weißbrot) nimmt 1 \ Stunde in Anspruch. Um 6 Uhr beginnt die geregelte Hausarbeit. Jeder der Zöglinge geht an die ihm überwiesene liausreinigungsarbeit, die vom Lehrer und den beiden Aufsehern bis zur Vollendung beaufsichtigt wird. Hierbei lernen die Zöglinge nicht nur Ordnung und Sauberkeit hochhalten, sondern sie werden gleichzeitig praktisch unterwiesen, wie man Schrubber und Besen, Scheuer- und Staubtuch handhabt. Neben der Hausreinigung liegt es einer Anzahl von Knaben auch ob, die Wege um das Haus und die Parkwege zu reinigen und zu harken. Um %8 Uhr wird zur Körper- und Kleiderrevision angetreten.!) Mitteilungen yom Deutsch-Israelitischen. Gemeindebunde Nr. 63, Dez. 1901.

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