Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Fürsorgeerziehung in Deutschland
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 494 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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494 MENORAH Gesicht, Hände und Kleidungsstücke werden auf ihre Reinlichkeit hin geprüft. Nach geschehener Revision gehen die Schüler in die Austaltsschule, die Erwachsenen zur Feld- und Gartenarbeit." Bis 12 Uhr sind die Jugendlichen mit der Jahreszeit entsprechenden landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt; unterbrochen wird diese Tätigkeit nur von einer Frühstückspause von 15 Minuten. Die Land- und Gartenarbeit wird nach einer Spiel- und Beschäftigungspause von lVi> Stunden bis 5 Uhr fortgesetzt. „Wenn man sie bei den Spielen im Freien beobachtet, so glaubt man, es seien wirklich alle brave und normale Knaben. Wenig von ihren schlechten Trieben und Leidenschallen ist hier zu merken, hier sind alle, auch die Erwachsenen wirklich Kinder/' Von a—7 Uhr werden die Zöglinge in der Schneiderei und T i?s cl 1 1 e r e i beschäftigt. „Nach dem Abendbrot bleib! den Zöglingen wiederum eine Zeit von IV2 Stunden zur selbständigen Beschäftigung, wie Spielen. Lesen usw. Um Uhr nach gemeinsamem Abendgebet gehen die Zöglinge zu Bett; vorher reinigen sie noch Überkörper, Gesicht und Füße von Stau!) und Schmutz: spülen den Mund und reinigen die Zähne. Freitag Abend und Sonnabend Vormittag findet Gottesdienst statt, der abwechselnd vom Inspektor und Lehrer geleitet wird. Die Zöglinge bilden den Chor. Sonntag Vormittag nehmen auch die Schulentlassenen am Unterrichte teil. Einmal in der Woche, Freilag Nachmittag, wird warm gebadet." Als wesentlichstes Erziehungsmittel diente, wie aus dem Bericht hervorgeht, die Arbeit. Dies steht in keinem Gegensatz zur heutigen Frziehungspraxis; im Gegenteil, man wertet heute durchaus positiv den erziehlichen Einfluß der selbständigen manuellen Arbeit, nicht nur in Anstalten, sondern viel mehr als früher in der gesamten Pädagogik. Der Unterschied liegt nur in der grundsätzlichen Einstellung, von der aus man die handliche Tätigkeit fordert, und daraus ergeben sich auch die verschiedenen Formen, die die Arbeit im Rahmen der Erziehung einnimmt. Im ersten Teil des angeführten Berichtes findet die damalige Anschauung ihren prägnanten Ausdruck: Körperliche Betätigimg trägt am sichersten zur Unterdrückung der bösen Triebe bei und lenkt von dummen Gedanken ab. Infolgedessen legt man das Hauptgewicht auf die Arbeit schlechthin. Es ist deshalb naheliegend, daß im wesentlichen die Interessen der Anstalt Form und Inhalt der Arbeit begründen, und