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Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. Seite 482

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Quer durch Amerika
Date
1932-11-01
Page
Seite 482 (sequence 4)
Language
German
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482 MENORA II mexikanische Ortschaft. An der Grenze wollte uns der junge mexikanische Beamte, der die charakteristischen schwarzen Augen und den sorgfältig gedrehten kleinen Schnurrbart seines Landes besaß, um keinen Preis passieren lassen. Unaufhörlich verlangte er etwas von uns, was wir nicht verstanden, da er mit uns ausschließlich mexikanisch sprach, während er sich mit dem amerikanischen Offizier, der neben ihm stand, in recht gutem Englisch verständigte. Aber er schien uns beweisen zu wollen, daß wir in einem anderen Lande seien, indem er sich uns gegenüber nur der Landessprache bediente. Nach langem fruchtlosen Bemühen, uns zu verständigen, erfuhren wir von dem amerikanischen Offizier, worum es sich handelte: Wir sollten einen Dollar pro Kopf zahlen. Mit Vergnügen leisteten wir die Gebühr, um endlich passieren zu können. Hart an der Grenze liegt die mexikanische Ortschaft, die den stolzen Beinamen „Das mexikanische Monte Carlo" führt. Das kleine Städtchen ist noch sehr jung. Es ist ihm anzusehen, daß es erst gestern gegründet wurde, — eigentlich nein, es befindet sich noch immer in der Gründung. In fieberhafter Eile werden Ilolzluiuschcn zusammengezimmert, ganz so wie in Coney Island vor Beginn der Saison. Wir betraten die Stadt. Aber was ist das? Das ist ja keine Stadt, das ist eine einzige große Gastwirtschaft. Jeder Laden ist eine Schenke, überall werden Schnäpse, Liköre, Bier verkauft. Die Bezeichnungen der Wirtschaften sind nicht mexikanisch, sondern englisch. Auch die Inschriften der Schilder sind in gutem Englisch gehalten, damit nur ja deutlich zu verstehen sei, was gemeint ist. Die kleine Stadt ist erst entstanden, als in Amerika das Alkoholverbot erlassen wurde. In der trockenen Zeit!£ wuchsen zu beiden Seiten der mexikanisch-amerikanischen Grenze zwei Ortschaften aus dem Boden. Auf der amerikanischen Seite entstanden große, vornehme Millionärhotels, ähnlich dem in Coronado-Beach, wo wir übernachtet hatten: auf der mexikanischen Seite blüht und gedeiht eine kleine Stadl, die aus lauter Schenken besteht. Und da die „trockene Zeit'* anhält, so vermehren sich die Hotels auf der einen Seite der Grenze und es wachsen die Schenken auf der anderen Seite. In den Hotels wird nur übernachtet, bei Tag aber passieren die Luxusautomobile die Grenze, die übertrittsgebühr von einem Dollar wird gerne entrichtet, denn man kommt in das freie'6 Mexiko, wo es kein Alkoholverbot gibt. Aus ganz Amerika kommt man, um sich vom Alkoholverbot ein wenig zu erholen, zur mexikanisch-kalifornischen Grenze, und in dem kleinen Mexikanerstädtchen schießen die Schenken wie Pilze aus dem

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