Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 481 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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QUER DURCH AMERIKA 481 Wänden ihrer väterlichen Paläste die kostbaren Teppiche, die seit Jahrhunderten dort gehangen hatten, und brachten sie nach Amerika zum Verkaut'. Auf den Kunstauktionen in New-York kann man sehen, wie Woche um Woche die Kunstschätze des alten Europa, der Resilz zahlloser Generationen, nach Amerika abwandern. Es sind nicht nur Bilder alter Meisler, antike Möbel, kostbare Teppiche, seltenes altchinesisches oder persisches Porzellan, sondern ganze Paläste. Die Holzverkleidung italienischer, französischer und englischer Schlösser, die Prunkräume spanischer Könige und Kalifen werden für gutes Geld nach Amerika übertragen. Die amerikanischen Millionäre kaufen die spanischen Kunstwerke aus der Epoche, in welcher die maurischen Kalifen Spanien beherrschten, und übertragen sie in die neuen Paläste, die sie sich im altspanischen Stil in Kalifornien erbauen lassen. Die Architektur der Wände, der Feuerstellen, die Wandbehänge, alles wird in den Palästen der neuen Kalifen wieder angebracht. So reitet auf dem Rücken des amerikanischen Goldes die Kunst der alten Welt nach Amerika. Aber die Kultur kommt nicht mit, denn Kultur ist etwas Lebendiges, etwas unaufhörlich Schallendes. Das amerikanische Gold kann mir Geschaffenes aufkaufen, aber nicht Neues schallen. Leider kamen wir spät am Abend in San Diego an und konnten daher nur wenig von der ältesten Stadt Kaliforniens sehen. Wir übernachteten in einem Millionärhotel in Coronado-Beach, unweit der mexikanischen Grenze. Das Hotel ist einer jener Alhambrapaläste, die für die amerikanischen Sultane erbaut wurden. Der Fußboden ist mit den teuersten und seltensten Teppichen belegt, die direkt aus Persien kamen. In Wandschränken ist das schönste, chinesische Porzellan aufgehäuft. Die Möbel sind altspanischer Herkunft, stammen aus einem Schloß auf der iberischen Halbinsel. Alles, was in der neuen Alhambra zu seilen war, war um Gold erworben, nichts aus eigener Kraft geschaffen. In Sagen und Legenden des Orients ist viel von den hängenden Gärten und den Wasserspielen des alten Persien die Rede. Ich war nie in Persien. Doch wenn man die hängenden Gärten von Kalifornien sieht, fühlt man sich in die Gärten des alten Babylon oder Persien versetzt. So ging es mir auch im Garten des Hotels in San Diego. Von der Stadt bis zur mexikanischen Grenze ist es kaum eine halbe Stunde. Nicht ohne Grund wurde das Hotel so nahe der Grenze erbaut. Denn die millionenschweren Gaste übernachten nur darin, den Tag und den Abend aber verbringen sie in Mexiko. Was sie dort tun, werden wir bald sehen. Am folgenden Morgen fuhren wir mit dem Auto in die nächste