Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-11-01
- Page
- 483 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2912821-2912916-2912923-2928840--11861-2928955- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Emil Kraus / Kurve, Tuschezeichnung Boden. Die Bedürfnisse der amerikanischen Millionäre haben allerlei Spielgelegenheiten für Roulette, Tiente et quarante, Binde u. a. geschahen. Auch ein Rennplatz wurde errichtet. Die schönsten Frauen Mexikos haben hier Quartier aufgeschlagen. Tänzerinnen aus Spanien und Kokotten aus Paris wurden engagiert. Die teuersten Weine, die teuersten Frauen, die teuersten Spiele sind hier zu haben. Und das Städtchen wächst zusehends . . . Fs war früher Morgen, als wir ankamen. Anscheinend war man tags vorher spät schlafen gegangen. Die Straßen waren nicht gesäubert, noch lagen die Spuren des Verkehrs vom Tage vorher umher. Die Schenken wurden eben geöfTnet. Die ersten Luxusautomobile rollten heran und hielten vor dem großen Spielklub. Auf der Arena tauchten die ersten Pferde mit ihren Jockeys auf, die für das zwei Tage später slattlindende Rennen trainierten. Auf den Gehsteigen begannen die schlanken biegsamen Gestalten der schwarzgekleideten, spanischen Kokotten, mit Rosen im Haar und den dünnen, schwarzen mexikanischen Zigarren zwischen den roten Lippen, ihre Promenade. Als ich mich umwandte und über die Grenze in die Landschaft blickend die orientalischen Schlüsser aus den dunkelgrünen Zypressenreihen emporragen sah, in denen die Kalifen und Sultane von Amerika residieren, da ging es mir durch den Sinn: Amerika hat sich mächtig entwickelt; es hat wirklich Kalifen hervorgebracht; aber um ein Gläschen Alkohol zu trinken, müssen sie in ein fremdes Land ziehen . . .