Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 480 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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480 MENORAH keilen zum Trotz auf seinem Posten ausharrt, erinnert sehr stark an die Geschichte der ersten jüdischen Kolonisten in Palästina, die in den Achtziger jähren des vorigen Jahrhunderts ins Land kamen. Sie verdursteten nahezu, doch sie harrten aus und verließen ihre Siedlungen nicht. Den orientalischen Stil der Kirchenruinen, die über die ganze pazifische Küste Kaliforniens verstreut sind, verwenden jetzt die Architekten, um einen speziellen kalifornischen Stil für die Paläste der amerikanischen Millionäre in Pasadena und anderen paradiesischen Orten Kaliforniens zu entwerfen. Alle diese Millionärsvillen werden jetzt in dem charakteristischen maurisch-altspanischeii Stil erbaut. Und es muß zugestanden werden —- dieser orientalische Stil, den die maurischen Kalifen in Spanien einführten, paßt überaus gut zu der kalifornischen Landschaft. Das Land des ewigen Sommers macht dadurch den Eindruck, als wären nicht erst knapp 150 Jahre verflossen, seit Weiße es betreten haben, sondern als wäre es eines der ältesten Länder der Welt, in dem die Wiege der menschlichen Kultur stand. Es verwandelt sich in ein Land aus Tausendimdeiner Nacht, es scheint der Sitz der Kalifen aus dem Maurenland gewesen zu sein. Und wenn man die großen orientalischen Paläste, die neuen Alhambren betrachtet, che zwischen dunkelgrünen Zypressen emporragen, dann hat man den Eindruck, Kalifornien sei das Land neuer Kalifen, Khane und Sultane aus der amerikanischen Rasse. La Yolla, auf dem Wege von Los Angeles nach San Diego gelegen, ist ein Produkt des neuen orientalischen Stils, der nach Amerika verpflanzt wurde. Die ganze Stadt ist im maurisch-spanischen Stil erbaut. Kleine niedrige Häuser mit flachen, roten Ziegeldächern, halbmondförmige Bogenfenster, die weißen Mauern von dunkelgrünen Zypressen beschattet. La Yolla zählt ohne Zweifel zu den schönsten Erdenwinkeln. Die Stadt steigt einen Hügel hinan, der sich an der weißen Sandküste des Pacific erhebt. Deshalb ist hier das Meer so blau und durchsichtig wie in Sizilien. Jedes Steinchen, jede Pflanze, jede Alge auf dem Meeresgrund ist deutlich zu sehen. Die Stadt ist nicht in Grün, sondern in Jasmin und Mimosen gebettet, von Tulpenfeldern umsäumt — sie erinnert an die Gedichte mittelalterlicher persischer Poeten. Das ganze Bild hat etwas traumhaft Visionäres. La Yolla erscheint wie eine Wiedergeburt der maurischen Kultur. V or dem Weltkrieg und während desselben sandte Europa seine Kunst nach Amerika. Die Söhne der alten Aristokratie, nahmen von den