Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-11-01
- Page
- 479 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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QUER DURCH AMERIKA Eindrücke einer Reise Von Schalom A s c Ii Autorisierte Übersetzung von Siegfried Schmitz. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten IX. Die Stadt des Rausches Der Weg von Los Angeles nach San Diego führt durch das reichste Gebiet von Kalifornien. Die Ebene ist geradezu bedeckt mit Orangen-, Zitronen-, Wallmiß- und Olivenbäumen. Überall ragenOlbohrliirnie in die Höhe, dar häutig blühen zwischen den Naphthalürmen die Orangen. Aus dem tiefen Schoß der Erde wird das Petroleum gepumpt und ihre Rinde ist mit Rlumen und Früchten übersät. Das Rohöl ist für unsere Zeit ebenso das Symbol von Fruchtbarkeit und Reichtum wie etwa im Lande der Bibel Milch und Honig. Kalifornien könnte mit Fug und Recht als das Land von Rohöl und Honig bezeichnet werden. Um der Landschaft auch den romantischen Glanz der Historie zu \erleihen, ragen auf dem Wege zwischen Los Angeles und San Diego die Ruinen der Missionskirchen hervor. Diese haben die Franziskanermönche, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts von Mexiko nach Kalifornien kamen, um die Indianer zum Christentum zu bekehren, als Siedlungsmillelpunkte errichtet. Rings um diese Kirchen entwickelten sich die Städte. Die Geschichte der Missionen ist zugleich die Geschichte Kaliforniens. Die Kirchen, die in dem charakteristischen maurischattspanischen Stil erbaut sind, liegen schon längst in Trümmern und nur ihre Ruinen stehen noch; aber es hat den Anschein, als wollte die katholische Kirche in Amerika aus diesen romantischen Kirchenruinen politisches Kapital schlagen. Sie läßt sie neu aufbauen und benützl das historische Sentiment für katholische Propaganda. In San Gabriele, einer kleinen Vorstadt von Los Angeles, wird seit einigen Jahren mit großem Ausstattungsprunk ein Festspiel aufgeführt, welches die Schicksale der Missionäre darstellt, wie sie über das Meer in das unbekannte Land ziehen, sich unter den wilden Indianern ansiedeln, sie zum Christentum bekehren, ihnen zivilisiertes Handwerk beibringen und sie so nicht mit dem Schwert, sondern mit christlicher Liebe unterwerfen. Dieses historische Spiel ist eines der stärksten Propagandamittel, das die katholische Kirche in der Union verwendet. Pater Serra, der einstige Führer der Missionäre, wird als ein Mann von großer Glaubensstärke dargestellt. Die Szene, in der geschildert wird, wie alle bereits an ihrer Aufgabe verzweifeln und das Land verlassen wollen, und nur Pater Serra. voll inbrünstigen Glaubens an seine Mission, allen Widerwärtig-