Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Wanderungen und Schicksale sephardischer Juden in Deutschland
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 473 (sequence 10)
- Language
- German
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WANDERUNGEN SEPHARDISCHER JUDEN 473 tende Beispiel aus der Geschichte dieser sephardischen Juden, nach dem sie in ihrer Heimat nicht nur glänzende Stellung, Geld und Gut, sondern auch das eigene Leben für ihre heilige Tauroh preisgaben. Bekanntlich rührt ja dieser ihr Adelsstolz von dem Umstände her, daß sie sich als Nachkommen der Einwohner Jerusalems fühlen. Ihre Kultur, ihre Mentalität und das soziale Milieu, in dem sie lebten und strebten, unterschied sie gewaltig von der Gruppe jener Juden, die als Flüchtlinge aus Polen und dem sonstigen Osten nach Holland und Deutschland kamen. Bei der Frage der Berechtigung dieser Absonderungsbestrebungen darf nicht vergessen werden, daß ja diese Neigung zur Trennung und Abschließung ein Stück ihrer Natur darstellt. Diese vornehmen, besitzenden Geistesaristokraten, mit ihren ausgeprägten patriarchalischen Charakterzügen, mit ihrer Standhaftigkeit, der Zucht und Geschlossenheit ihrer Persönlichkeit, — in Gebärde und Haltung den Aristokraten darstellend — konnten und wollten auch mit den ärmeren meist von Polen geflüchteten deutschen Juden weder wirtschaftliche noch gesellschaftliche Beziehungen anknüpfen. Taktisch und sehr jüdisch war dies — wenn man die Zustände heute überblickt — sicherlich nicht gedacht. Menschlich begreiflich dagegen ist wohl ihre Forderung des Baues einer eigenen Synagoge auf eigene Kosten, um den Neid und Haß ihrer eigenen armen Glaubensgenossen nicht zu erwecken und um auch nach ihrem eigenen Ritus ihre Gebetordnung verrichten zu können. In welchem Teile der hannoverschen Lande und zu welcher Zeit nun auch die effektive Niederlassung dieser sechs reichen Portugiesenfamilien erfolgte, ist aus den vorliegenden Unterlagen nicht zu erkennen. Wenn im Laufe, besonders in der Mitte des 18. Jahrhunderts, reiche portugiesische Juden irgendwo in Deutschland ihren Zuzug in Aussicht stellten, dann wurden ihnen stets Privilegien in der vorbezeichneten Form eingeräumt. Diese Privilegien bestanden immer mindestens in der Befreiung von allen bürgerlichen Lasten und namentlich von dem üblichen Schutzgeld. Für die erhaltenen Sonderrechte hatten sie naturgemäß auch Sonderpflichten — meist die Gewährung großer Anleihen zu ganz niedrigen Sätzen — zu erfüllen. Die sephardischen Riten in vielen Gemeinden Hannovers und Ostfrieslands sind auf die Niederlassung dieser Portugiesenfamilien zurückzuführen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts versuchen zahlreiche portugiesische Juden aus Gibraltar und Minorca, Portmahon, sich mit ihren