Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Wanderungen und Schicksale sephardischer Juden in Deutschland
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 472 (sequence 9)
- Language
- German
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472 MENORAH Für die Benützung ihrer eigenen Verkehrsmittel, Einfuhr und Ausfuhr usw. stellten sie besondere Ansprüche. Wie schon oben betont, sah man reiche Juden immer gerne in jedem Lande, denn sie hoben nicht nur die Wirtschaft, erleichterten das Budget des Staatshaushaltes, sondern bedeuteten eine Quelle der Finanzen, die nicht hoch genug eingeschätzt werden konnte. Daher stellte die Behörde, mit der die Juden verhandelten, natürlich auch ihrerseits eine Hauptforderung, nämlich sie nahm eine bedeutende Summe Geldes bei den Juden auf lange Frist gegen ganz niedrigen Zins auf. Zehntausend Taler sollten sie dem Fürsten auf zehn Jahre gegen drei Prozent Zins leihen. Eine Forderung verdient noch besonders hervorgehoben zu werden. Die portugiesischen Juden verlangen nämlich u. a. von der Behörde die Erlaubnis, sich an dem Orte ihrer Niederlassung eine eigene Synagoge zu bauen, und zwar mit der ausdrücklichen Motivierung, weil sie sich nicht mit den dort wohnenden deutschen Juden verbinden wollen. Mehrere Gründe seien es, die sie davon zurückhalten, sich mit ihren deutschen Glaubensgenossen zu verbinden. Besonders aber deswegen wollten sie abgeschlossen von ihren deutschen Glaubensgenossen wohnen und leben, damit sie mit ihrem bedeutenden Handelsverkehr nicht den Neid ihrer armen deutschen Glaubensgenossen zu erwecken brauchen. Diese Forderung, so eigenartig sie auch im ersten Augenblick erscheint, dürfte doch tief im Charakter dieser sephardischen Juden begründet liegen. Es soll hier nicht untersucht werden, ob Juden berechtigt sind, weil sie unter anderen Wirtschaftsbedingungen leben und leiden, sich von ihren Glaubensgenossen unter diesen Umständen abzusondern. Jedenfalls ist aber Tatsache, daß die sephardischen Juden einen wirtschaftlichen und besonders gesellschaftlichen Boykott erstrebten. Wollen wir dies zu erklären versuchen, so gilt es, sich in die Psyche dieser sephardischen Familien zu versetzen. Alle sephardischen Juden neigen zur Abgeschiedenheit, zur Exklusivität Sie schauen mit einer gewissen Verachtung, mit einem übertriebenen Selbstbewußtsein auf ihre ärmeren deutschen Glaubensbrüder herab. Es scheint, daß bei diesen Absonderungsbestrebungen weniger der ökonomische als der soziale Gesichtspunkt entscheidend gewesen ist. Ein gewisses Anrecht haben ja diese sephardischen Juden auch, auf ihre vergangenen Generationen stolz zu sein. Wir meinen den echten jüdischen Stolz, der sie mit dem Erbe ihrer Väter verbindet; das leuch-