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Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. Seite 470

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Wanderungen und Schicksale sephardischer Juden in Deutschland
Date
1932-11-01
Page
Seite 470 (sequence 7)
Language
German
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470 MEN ORAH Vollbürgern erklärt, hatten also die gleichen Rechte und Pflichten wie alle anderen Bürger. Reiche portugiesische Juden sah man immer gerne, bildeten sie doch eine beträchtliche Einnahmequelle des Staates. Neben dem Geld und Gütern, die sie mitbrachten, verstanden sie es aber auch durch ihre Tüchtigkeit, ihren Fleiß und ihr kaufmännisches Talent, den Handel und Verkehr des Landes, in dem sie sich niederließen, mächtig zu beleben. Deswegen räumten die vorgesetzten Behörden ihnen auch gerne Sonderrechte ein, zu einer Zeit, wo die deutschen (aschkenasischen) Juden noch hinter ihren Ghettomauern zitterten und es nicht wagen durften, irgend welche Forderungen zu stellen, die für die anderen Bürger eine Selbstverständlichkeit waren. So blieb zum Beispiel die rechtliche Stellung der portugiesischen Juden in Holstein bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts eine bedeutend günstigere als die der hochdeutschen Juden. Die portugiesischen Juden hatten stets volle Gleichberechtigung mit den christlichen Einwohnern. Daß diese ostfriesischen Juden wiederum auch mit den italienischen Juden in Beziehung standen und umgekehrt, läßt sich unschwer nachweisen. Denn es ist kein reiner Zufall, daß die vielen ostfriesischen Riten mit den italienischen fast ganz und gar übereinstimmen. So benützt die Auricher Gemeinde von altersher ein zuerst um 1600 in Venedig erschienenes Machsor. So soll auch Ende des 14. Jahrhunderts der Regent von Ostfriesland erstmalig Juden in Italien veranlaßt haben, nach Ostfriesland zu ziehen, um dem Handelsleben des Landes einen neuen Aufschwung zu verleihen. Damals sollen auch die ersten Juden nach Aurich gekommen sein. Zur Stütze dieser historischen Legende wird immer hingewiesen auf die auffallende Ähnlichkeit, die zwischen den Judentypen Italiens und Ostfrieslands noch heute besteht. Es scheint danach festzustehen, daß die ersten Juden Ostfrieslands tatsächlich erst in der Inqtiisitionszeit (16. Jahrhundert) aus Italien über Amsterdam nach Ostfriesland kamen. Anfang des 17. Jahrhunderts (1609) wandten sich portugiesische in Venedig wohnende Juden an den Frankfurter Rat sowie an den Grafen Philipp Ludwig II. von Hanau, um eine Niederlassung mit besonderen Privilegien zu erwirken. Die Behörden hätten sicherlich gerne die Ansiedlung dieser reichen Juden, die doch stets ein angenehmes Mittel zur Erhöhung der Staatseinnahmenn wie auch zur Förderung der Wirtschaftspolitik waren, gesehen. Doch zerschlugen sich die Verhandlungen nach längerer Vorkorrespondenz, weil man den Juden die kaiserliche Zusicherung freien Geleits für ihre Person und ihre Güter nicht erteilen wollte. (Vergleiche dazu Band 14 der

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