Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Wanderungen und Schicksale sephardischer Juden in Deutschland
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 468 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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468 MENORAH Sohne zu ihnen zu kommen. Das geschah auch. Sie wurden in den Bund Abrahams aufgenommen und machten, nachdem sie wieder genesen waren, abends und morgens Minjan.4 Was von diesen historischen Aufzeichnungen des Menachem ben Salomo Dichtung, was Wahrheit ist, wer wollte dies heute nachprüfen. Manche der Aufzeichnungen hört sich so märchenhaft, so gar romantisch an, daß man fast glauben möchte, es habe sich mancherlei von der Geschichte doch etwas anders zugetragen. Immerhin läßt sich deutlich erkennen, daß zwischen Emden und Amsterdam, zwischen holländischen und italienischen sephardischen Juden stets engste Wechselwirkung bestand. Die Handelsbeziehungen zwischen Emden und Amsterdam waren sehr rege und in Italien waren die jüdischen Druckereien in höchster Blüte. Anderseits stand Emden wieder mit den Hansestädten in engster Handels- und Wirtschaftsverbindung. Stand ja Emden sogar früher ganz unter Hamburger Herrschaft. Besonders lebhaften Aufschwung nahm der Handel durch starke Einwanderung aus Frankreich, England und die Niederlande. Emden hatte eigene SchiiTe und eigene Flotte und Ende des 17, Jahrhunderts sogar eine eigene Handelskompagnie. So sehen wir, wie die norddeutschen, holländischen und italienischen Juden in dauerndem Handels- und sonstigen Inter essen - verkehr standen. Nach ihrem ersten Erscheinen im Jahre 1593 unter Führung eines Jakob Tirado machten sich die Portugiesen erst im Jahre 1703 in Emden seßhaft. In diesem Jahre schloß auch der Magistrat der Stadt Emden einen bedeutenden Vertrag mit Amsterdamer portugiesischen Juden, welche in Emden eine Handelskompagnie gründen. Der Magistrat räumte diesen Juden ausdrücklich das Recht ein, „eine Synagoge zu erbauen", einen Friedhof anzulegen und eine Druckerei zu errichten. Die Synagoge scheint benützt worden zu sein, dagegen lassen sich weder die Spuren des sephardischen Friedhofs noch diejenigen der Druckerei verfolgen. Während des ganzen 18. Jahrhunderts scheinen diese portugiesischen Juden in Emden anwesend gewesen zu sein. Beweise dafür sind die sechs Grabsteine von Portugiesen, die sich heute noch auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde zu Emden befinden. Sie tragen die Daten 1706—1708, u. a. Namen wie: Diaz- Vaez; Rafael Jesurun Aluarez usw.1) Demnach scheinen die sephardischen Juden ihren eigenen Friedhof nicht angelegt zu haben. Weitere ]) Vergl. dazu auch: Alfonso Cassuto, Hamburg": r"Über portugiesisch« Juden in Emden*, Zeitschrift für Jüdische Familienforschung. Jahrgang "V, Nr. 3.