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Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. Seite 467

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Wanderungen und Schicksale sephardischer Juden in Deutschland
Date
1932-11-01
Page
Seite 467 (sequence 4)
Language
German
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WANDERUNGEN SEPHARDISCHER JUDEN 467 Als sie nach Emden kamen, bezogen sie eine Herberge. Am anderen Tage machten sie einen Spaziergang durch die Stadt. Da sahen sie an einem Hause ein Schild, auf dem (in hebräischer Schrift) geschrieben stand: ,,Wahrheit und Frieden sind die Grundfesten der Welt", Sprüche 10, 25; beim Anblick der Inschrift wunderten sie sich über die fremden Schriftzeichen, aber sie verstanden sie nicht, weil sie kein Hebräisch konnten. In diesem Hause wohnte ein Jude, der hieß R. Mose Phöbus Levi. Während sie dastanden und das Schild ansahen, wurde in das Haus des Juden eine fette, geschächtete Gans gebracht. Denn es war Chanukazeit. Das sahen die Marannen. Sie gingen dann wieder in ihre Herberge und sagten zu dem Wirte, sie wollten gerne eine fette Gans essen. Der Wirt ging gleich zu den Juden, denn er wußte, daß die Juden immer die fettesten Gänse hatten. Da fügte es sich gerade, daß er in das Haus von R. Mose Phöbus Levi kam und die fette Gans auf dem Tische liegen sah. Der Wirt sagte, er wolle die Gans gerne kaufen, denn er habe fremde Herren, die Lust hätten, eine fette Gans zu essen, weil sie jemand eine solche hätten tragen sehen. Zuerst wollte R. Mose die Gans nicht verkaufen. Doch als der Wirt sehr darum anhielt und ihm viel Geld dafür bot, gab er sie her. Als der Wirt sie heimbrachte, fragten sie ihn, woher er eine solche Gans bekommen hätte. Er antwortete „v o n einem Juden". Auf die weitere Frage, was ein Jude sei und welchen Glauben sie hätten, erwiderte der Wirt, sie seien keine Christen und von altem Glauben. Da freuten sich die Marannen von ganzem Herzen und wollten wissen, wo der Jude wohne. Der Wirt gab zur Antwort: „Über seiner Türe hängt ein Schild mit hebräischen Buchstaben." Am folgenden Tage gingen zwei der Marannen in das Haus von R. Mose Phöbus Levi, um mit ihm zu reden, aber sie verstanden einander nicht. Deshalb schickte Moses zu seinem Sohne R. Aron Levi, der in Italien gewesen war, um den Buchdruck zu erlernen. Dieser verstand ein wenig ihre Sprache und redete mit ihnen. Sie trugen ihm, als sie allein im Zimmer waren, ihr Anliegen vor, daß sie von jüdischer Abstammung seien und — zehn Familien an der Zahl — in den Bund Abrahams aufgenommen sein wollten. R. Moses Phöbus Levi antwortete ihnen, daß er dies in Emden nicht tun dürfe. Aber in Holland seien alle Bekentnisse, gleich welcher Art, freigegeben worden. Er zeigte ihnen ein Kartenbild, auf dem Amsterdam dargestellt war, und sagte ihnen, sie möchten dorthin vorausziehen und sich da ein Haus mieten. Er gab ihnen ein Zeichen mit, das sie an dem Haus befestigen sollten, und versprach in vierzehn Tagen mit seinem

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