Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Wanderungen und Schicksale sephardischer Juden in Deutschland
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 466 (sequence 3)
- Language
- German
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466 MENORAH erregten, waren in der Amsterdamer Druckerei des Uri Pheibus Levi erschienen. Die Amsterdamer Portugiesen gemeinde stand mit den Tochter-, beziehungsweise Schwesteransiedlungen von Hamburg, Emden, Glückstadt, Altona usw. in dauernder Wechselverbindung. Je nach den wirtschaftlichen und politischen Umständen vermehrte oder verminderte sich die eine Gemeinde oder ihre Schwester. Wirft man einen Blick auf die Entwicklung der europäischen Handelsgeschichte seit 1492, so wird man unschwer den bedeutsamen Einfluß erkennen, den besonders die reichen portugiesischen (sephardischen) Juden hier ausüben. Abgesehen von der kulturellen Bedeutung ihrer allgemeinen Tätigkeit, ist ihre Beteiligung im Welthandel geradezu aufsehenerregend. Solange die sephardischen Juden in Portugal und Spanien wohnten, standen dort bekanntlich Handel, Wirtschaft, Verkehr und Industrie in höchster Blüte. Und selbst nachdem sie von dort vertrieben waren, merkt man tiefe Spuren ihrer Tätigkeit in vielen europäischen Orten. So geht zum Beispiel aus der Handelsgeschichle Emdens deutlich hervor, daß portugiesische Juden Ende des 16. Jahrhunderts dort gelebt haben müssen. Und verfolgen wir die sephardischen Juden auf ihren Wanderungen, in ihren Ansiedlungen und Schicksalen, so zeigt sich, daß in der Tat Ende des 16. Jahrhunderts, 1593, Amsterdamer Juden infolge widriger Winde nach Emden verschlagen worden sind. Tüchtige, rührige Kailfleute, wie sie waren, gründeten sie hier eine Niederlassung. So nahm der Handel Emdens starken Aufschwung durch Einwanderung weiterer sephardischer Juden aus den verschiedensten Ländern, nicht zuletzt aus den Niederlanden. In diesem Zusammenhange sei hier wiederholt, wie die Ankunft der ersten Portugiesen in Emden sich abspielte, nach den Aufzeichnungen von Menachem man ben Salomo aus Amsterdam in seinem „scheerith Isro eic< 1741. (Auch Höxter gibt diese Szene in seinem Quellenbuch zur Geschichte und Literatur, Bd. 4, wieder.) Es w7ar gegen Anfang des 17. Jahrhunderts, da begannen auch die Onsin (Anusin, Marannen) von Spanien und Portugal zu entfliehen und kamen nach Holland. Im Jahre 1604 kamen zehn Marannen mit ihren Frauen und Kindern. Sie hatten zwei holländische Schiffe mit viel Silber und Gold und allem Guten beladen. Nach Sturm und Unwetter landeten sie in der heiligen Gemeinde Emden (in Friesland). Es leuchtet wohl ein, daß es eine Fügung Gottes war, daß sie dort ankommen sollten.