Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Wanderungen und Schicksale sephardischer Juden in Deutschland
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 465 (sequence 2)
- Language
- German
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WANDERUNGEN SEPHARDISCHER JUDEN 465 Teil auch aus Frankreich und Polen, eine ziemlich ansehnliche jüdische Siedlung gebildet. In Holland herrschte damals das milde Toleranzregime des Statthalters Wilhelms III. Daher begannen die Juden nach den schweren Zeiten der Verfolgung sich wieder frei zu entwickeln. Die Juden unterhielten damals nicht allein einen ausgedehnten, weitverzweigten Welthandel, sondern beteiligten sich auch schöpferisch an Literatur und Wissenschaft; ganz besonders auf dem Gebiete der Medizin und Mathematik zeichneten sie sich in hervorragen der Weise aus. Durch die Vereinigung der polnischen und deutschen Juden in einer einheitlich aschken asischen Judengemeinde schwand auch allmählich der Gegensatz zwischen den aschkenasischen und sephardischen Juden, Im Amsterdamer Ghetto wurde der Sinn jüdisch-gesellschaftlichen Lebens immer reger und es stellte sich allmählich das Bedürfnis nach einer periodischen. Druckschrift, nach einer Zeitung heraus. Neben dem Verkauf von Fleisch und wenig anderen Berufszweigen waren die Buchdruckerei und der Buchhandel die einzigen Gewenbe, die die Juden in Holland betreiben durften. Kein Wunder, daß es daher auch diese Gewerbe waren, die unter den Amsterdamer Juden in hoher Blüte standen. Die erste Zeitung für Juden erschien 1681 in Holland. Es war die „Gazetta de Amsterdam4', deren Herausgeber der bekannte Drukker David ben Abraham Castro Tartam war. Die Zeitung erschien in spaniolischer Sprache und war nur von kurzer Lebensdauer. Diese Zeitung aber war es, die wieder den Keim für ein anderes Organ in sich trug; eine Zeitung in jüdisch-deutsch, der Sprache, die damals bereits von der Mehrheit der holländischen Juden gesprochen wurde. Am 9. August 1686 erschien im Verlage der Druckerei des Amsterdamer jüdischen Buchdruckers U r i P h öbus (laut anderen Quellen Pheibus) ben Aron haievi die erste periodische Zeitschrift, in dem damaligen jiddischen Idiom mit Raschischrift. Nur zweimal wöchentlich erschien sie und nannte sich die „Dienstagische Couranten" und die „Freitagische Couranten'*. Diese jüdische Druckerei des Uri Pheibus Levi hatte nicht nur welthistorisch, sondern auch kulturhistorisch eine besondere Bedeutung für das Judentum erlangt. In allen jüdischen wohlhabenden Familien Wiens, Prags, Frankfurts am Main usw. war die Neuausgabe der jüdisch-deutschen Bibel des Uri Pheibus Levi zu sehen, die als erste in Amsterdam erschienen war. Auch andere jüdisch-deutsche Bücher, die damals Aufsehen