Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. 464

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Wanderungen und Schicksale sephardischer Juden in Deutschland
Date
1932-11-01
Page
464 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2912821-2912916-2912923-2928837--11839-2928936
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

WANDERUNGEN UND SCHICKSALE SEPHARDISCHER JUDEN IN DEUTSCHLAND Der erste Ansiedlungsversudi portugiesischer Juden in Ostfriesland (1706); ihr Verhältnis zu den aschkenasischen Juden s ist eine eigenartige Erscheinung in der Geschichte der Juden, J_J daß im Gegensatz zu den aschkenasischen Juden die sephardischen Juden, stets sogleich nach ihrer Niederlassung in politischer und bürgerlicher Beziehung mit den Andersgläubigen auf eine Stufe gestellt wurden. Erklären läßt sich diese Tatsache damit, daß die sephardischen Juden, unter denen meist sehr viele wohlhabende sich befanden, vom Staate gerne aufgenommen wurden, da sie ein nicht unbedeutendes Finanzobjekt darstellten. Auch die aschkenasischen Juden benutzte der Staat gerne zur Verbesserung seiner Finanzquellen. Denken wir nur an die Rückkehr der Juden nach Frankfurt am Main im Jahre 1360, so steht fest, daß diese Rückberufung noch in höherem Grade als die Vertreibung im Jahre 1349 lediglich eine Geldangelegenheit darstellte. Alle Wanderungen und Ansiedlungen der sephardischen Juden hängen eng miteinander zusammen. Denn das eine steht fest: die sephardischen Juden sind die Nachkommen der aus Spanien (1492) vertriebenen Juden, die es versuchten, sich alsdann in allen möglichen Stadien Europas (Amsterdam, London, Hamburg, Glückstadt, Kopenhagen, Wien, Emden usw.) und besonders des Orients zu eigenen Gemeinden zusammenzuschließen. Da die Mehrzahl der damals aus Spanien Vertriebenen ihren Weg über Portugal nahmen, so nannte man die sephar- -disehen auch portugiesische Juden. Es ist verständlich, daß die sephardischen Juden da, wo sie auf kurze oder lange Zeit sich niederließen, Spuren ihrer Wirksamkeit hinterließen. Denn diese sephardischen Juden standen auf einem sehr hohen Kulturniveau, spielten in Wirtschaft und Verkehr, in Handel ■und Industrie eine sehr bedeutende Rolle, so daß sie meist einen kleinen SJaat für sich bildeten. Kulturhistorisch bedeutsam ist die Tatsache, daß die Entstehung der ersten jüdischen Zeitung auf den Einfluß der sehr gebildeten sephardischen Juden zurückzuführen ist. Im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts hatte sich in Holland, der damaligen Zufluchtsstätte der jüdischen Flüchtlinge aus Portugal, Spanien und zum Von Joseph Hey mann

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.