Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Aus der Kunstwelt
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 455 (sequence 5)
- Language
- German
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AUS DER KUNSTWELT 455 allem südfranzösische Landschaften. Und in diesen intimeren Stücken mit ihren verhängten Lüften ist wohl die Art des früh Verstorbenen am reinsten zum Ausdruck gelangt. Die hauptsächlichen Bildungen streifen das Absolute, als wollte der Künstler nicht die Darstellung einer bestimmten Kurve oder Brücke, sondern die allgemeine Vorstellung der Kurve, des Brückenbogens geben, die Farbe sammelt sich in herb verhaltenen Stimmungen und ein schönes elegisches Gefühl — männlich-scheu — kommt hervor. Aber am stärksten berührt die sittliche Reinheit dieses Werkes. Sie kommt zunächst aus der Selbstbescheidung des Künstlers. Aber sie ist doch auch von jener Art, die vielleicht erst durch die Impressionisten in die Kunst gekommen ist. Das näher zu erklären, hieße ein eigenes Kapitel über die Moral in der Malerei schreiben. Genug, daß wir uns bei dieser Art Malerei heute ganz besonders wohl fühlen, entfernt von dem unreinen Betrieb des Tages, in unseren Gläubigkeiten erfrischt und gefestigt. Eine Plastik von Georg Ehrlich Als vor Jahren Georg Ehrlich, schon damals ein Zeichner von Namen und Bedeutung, mit seinen ersten plastischen Arbeiten hervortrat, mag mancher nicht wenig erstaunt gewesen sein. Denn was er bis dahin geschaffen hatte, war nicht bloß tatsächlich auf Flächen gearbeitet, sondern auch ilächenhaft in seiner Form und Erscheinung. Trotzdem war die Wandlung schon in den Zeichnungen vorbereitet. Schon unter den Radierungen gab es etliche Blätter, welche ihre Bildungen fühlbar angefaßt oder völlig umfaßt zeigten, schon hier schien es, als hätte die sehr empfindliche Hand des Künstlers die schmalen, dürftigen Gestalten seiner Darstellungen zögernd berührt. Und auf dieser scheuen Berührung beruhte ein wesentlicher Teil auch der inneren Wirkung dieser Blätter. Deutlicher noch sprachen die gleichzeitigen Lithographien. Denn in dieser Technik wurde die Linie frei, geriet in herben Fluß und gewann einfache Größe. Aber auch die Welt von Ehrlichs Vorstellung und ihre Bewegtheit hat sich nicht verändert. Sieht man es näher an, dann erscheint das plastische Beginnen des Zeichners, das am Anfang so sehr überrascht hat, als ein diirchaus organischer Ubergang, wie ja der Künstler auch nach jener Wendung in seiner graphischen Tätigkeit fortgefahren ist und seither beide Künste im gleichen Zuge, im selben Geiste ausübt. Ehrlichs neuestes Werk ist ein Bronzerelief im Eingang zum Dittes-Hof, einem Volkswohnhaus in Döbling. Es sollte sinnbildlich