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Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. Seite 456

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Aus der Kunstwelt
Date
1932-11-01
Page
Seite 456 (sequence 6)
Language
German
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456 ME N O R AH die Guttat dargestellt werden, welche Wiener Arbeiter durch die gastfreundliche Aufnahme von Kindern aus Elendsgebieten Österreichs verrichtet haben. Man denke nur einmal daran, welchen Aufwand von äußerem Pathos, von überanstrengter Phantasie und sonstigen Komplikationen der durchschnittliche Bildhauer an diese Aufgabe verschwendet hätte. Bei Ehrlich war derlei von vornherein nicht zu befürchten. Denn wie sonst, übernahm er auch hier den Sinn des gestellten Themas in seine Empfindung. Und aus dieser, bei ihm nur natürlichen Verinnerlichung ergab sich dann geradezu zwangsläufig die Vereinfachung. Zwei weibliche, in jeder Hinsicht verwandte Gestalten, schmal und abgehärmt, in zarter Umarmung. Die eine mütterlich aufnehmend, die andere ängstlich angeschmiegt, aber beide trotzdem — das zeigen nicht nur die Beine — ohne sicheren Halt. Als ob ihnen das schwere Schicksal nur diese Pause für ihre liebende Begegnung gewährt hätte, um dann ungemindert wieder weiter zu wirken. Unter allen übermäßigen Bemühungen, welche seit zehn Jahren oder mehr die Plastik in Wien unternommen hat, um dem neuen, sozialen Geist des Auftraggebers, der Gemeinde Wien, gerecht zu werden, ist das kleine Relief von Ehrlich das erste rein proletarische Kunstwerk. Trotz seines geringen Formates hat es Größe. Sie beruht nicht allein auf der Beseelung. Sie beruht auch auf der ungelenken — und wohl noch etwas unfreien — von den Köpfen und Gliedern getragenen Form, die schon bei jeder der beiden Figuren nicht die blanke Wiedergabe der Natur zum Ziele nimmt, sondern sie im Sinne des Ausdruckes umgestaltet. Und die beide so auch kompositioneil vereint. Dabei ist alles aus der iVrbeit der gehöhlten Hand, bildformend, hervorgebracht, im Ton schon der Erzguß rein vorweggenommen. Ein neuer, schöner und ergreifender Beweis für die — auch in ihrer Begrenztheit — edle Kraft des Piastikers Ehrlich. Er ist in den wenigen Jahren seines Schaffens schon ein wichtiger Gegenspieler des Bildhauers Anton Hanak geworden. Das gilt für Wien. Im weiteren, jüdischen Kreise hat er eine noch viel größere Bedeutung. JU ie Kunst des Malers Kokoschka, der — in Wien geboren — die moderne Entwicklung der europäischen Malerei, namentlich aber der Malerei im deutschen Kulturkreise als ihr freiestes Genie maßgebend bestimmt hat, scheint die Zeit ihrer schöpferisch vordrängenden Kraft hinter sich zu haben. Reiner als früher tritt jetzt in seinen Bildern die Oskar Kokoschka „Jerusalem"

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