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Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. Seite 448

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Jugend in Aufruhr
Date
1932-11-01
Page
Seite 448 (sequence 6)
Language
German
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448 MENORAH gewesen wäre. Aus dem Gewinn dieses Ladens ernährte er seine sechsköpfige Familie, und nach dem Standard der damaligen Zeit war er ein recht gut situierter Bürger, der sich durchaus nicht zu beklagen hatte. Er führte wohl ein dürftiges, aber keineswegs bettlerhaftes Leben. Lipmanow war halb und halb ein Maskil, und die Pausen zwischen zwei Kunden pflegte er über ein hebräisches Buch gebeugt zuzubringen. Bevor ich zu ihm ging, war ich ganz sicher, daß ich hier nur geringen Schwierigkeiten begegnen würde und freute mich schon im voraus auf das neue Mitglied, das unserer Organisation zugeführt werden würde. Ich gürtete die Lenden und begab mich zum Gefecht. Ich ging sogleich zum Sturmangriff über, denn hier bedurfte es meines Erachtens keiner strategischen Künste. Zuerst malte ich in den schwärzesten Farben ein Bild unseres Exils, ohne auch nur ein einziges Detail auszumalen, das den Greuel und das Elend unseres Lebens charakterisieren konnte. Alsdann ging ich plötzlich zur Schilderung unseres zukünftigen Lebens in Palästina über, und ich brauche wohl nicht zu sagen, daß ich mich selbst übertraf, als ich eine Welt voll Farben, Glückseligkeit und Schaffensfreude heraufbeschwor. Ich sprach, als ob ich soeben aus dem Lande, in dem Milch und Honig fließt, zurückgekehrt wäre. Und ich schloß schwungvoll mit einer Verherrlichung der Werte und Freuden der Freiheit. Allein ich bemerkte, daß mein erhabener Stil meine feurigen Worte meinen Zuhörer nicht im mindesten bewegten. Dieser Gefangene seines Ladens, dieser Maulwurf der Unterwelt, der sein ganzes Leben zwischen Heringtonnen und Nagelkisten zugebracht hatte, sah mich kühl und gerührt an. Seine lakonische Antwort lautete: „Junger Mann, Sie vergeuden Ihre Zeit. Wir werden Europa niemals gegen Asien eintauschen.'' Eine Versammlung, die wohl der Erwähnung wert ist, veranstalteten wir bald nach der Kattowitzer Konferenz vom Jahre 1884, in der Ost- und Westjuden, Vertreter von vierunddreißig selbständigen Chibbat-Zion-Gruppen, zum ersten Mal zusammengekommen waren, um sich zu gemeinsamem Wirken zu organisieren. Sie begründeten in Kattowitz eine Organisation unter dem Namen „Montefiore-Verband zur Förderung des Ackerbaus im Heiligen Lande". Dieser Name wurde aus politischen Gründen gewählt. Es war gefährlich, eine politische Organisation zu begründen; die Bewegung verbarg sich deshalb hinter dem Namen von Moses Montefiore, der selbst in Rußland den Ruf eines hervorragenden Philanthropen genoß. Die neue Organisation war auf diese Weise eine philanthropische. Tatsächlich legte die Kattowitzer Konferenz die Grundlagen zu einer weltumfassenden jüdischen natio-

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