Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Jugend in Aufruhr
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 444 (sequence 2)
- Language
- German
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444 ME N O R AH sich ausdrückte, ein Drittel der Juden umkommen, ein Drittel auswandern und ein Drittel zum russischen Glauben übergehen würde. („Un tiers crevera, un tiers emigrera et un tiers se convertira.") Dieser Plan erinnerte in seiner nackten Brutalität an eine der dunkelsten Prophezeiungen: „Und du Menschensohn, nimm dir ein scharfes Messer, nimm dir ein Schermesser und streiche damit über deinen Kopf und deinen Bart. Alsdann nimm eine Waage und teile das Haar. Ein Drittel sollst du verbrennen und ein Drittel sollst du nehmen und mit einem Messer zerhauen, und ein Drittel «ollst du in die Winde zerstreuen." Was dem Propheten mit Haupt- und Barthaar zu tun geheißen wurde, das sollte nach dem Vorschlage Pobjedonoszews mit fünf Millionen Juden geschehen. Nach dem Urteil solcher, die dem Throne nahestanden, war Alexander der Dritte keine Despotennatur. Viele waren sogar der Meinung, daß er Gerechtigkeitssinn und Ehrgefühl besaß. Er führte ein einfaches, fast zurückgezogenes Leben und begnügte sich mit einem Mindestmaß an kaiserlichem Prunk. Ein solcher Herrscher hätte unter der Ägide fähiger und ehrlicher Batgeber das von seinem Vater begonnene Reformwerk fortsetzen können. Der Unstern Rußlands aber wollte es, daß Alexander vollständig unter den Einfluß Pobjedonoszews und seiner Clique geriet. Der Großinquisitor, der Torquemada des neunzehnten Jahrhunderts, impfte seinem kaiserlichen Schüler den festen Glauben ein, daß er vom Himmel zum irdischen Schutzherrn der heiligen griechisch-orthodoxen Kirche ausersehen wäre. Alexander der Dritte betrachtete sich ebenso als Schützer des Glaubens wie als Schirmherr des Landes, das er beherrschte. Darin wird man die Erklärung für seine beharrliche Unterdrückung aller „Nichtrussen" innerhalb seines Reiches zu suchen haben. Folgendes Beispiel mag das beleuchten. Ein besonderer Ausschuß war unter dem Vorsitz Graf Pahlens zum Studium der Judenfrage einberufen worden. Einige Ausschußmitglieder, ältere Staatsmänner, die im Geiste Alexanders des Zweiten erzogen waren, wünschten die Judenfrage im Sinne eines gemäßigten Liberalismus gelöst zu sehen. Da war es der Kaiser selbst, der gegen sie auftrat und zur Verteidigung seiner Ansichten Gründe ins Feld führte, die man einem Eremiten des Mittelalters hätte zutrauen können. Einer der Staatsmänner hatte die Kühnheit, dem Kaiser einen Bericht zu unterbreiten, in welchem er die unerträglichen Zustände schilderte, uriter denen die Juden lebten, und in dem er dazu riet, mit den Regierungsrepressalien aufzuhören. Alexander der Dritte sandte den