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Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. 443

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Jugend in Aufruhr
Date
1932-11-01
Page
443 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH X. JAHRGANG NOVEMBER/DEZEMBER 1932 NUMMER 11/12 SHMARJA LEV1N: JUGEND IN AUFRUHR Wir entnehmen ein Kapitel dem zweiten Teil der Erinnerungen Shmarja Levins, welche demnächst im Verlag Ernst Rowohlt, Berlin erscheinen. Dem Namen nach herrschte in Rußland während jener Periode Alexander der Dritte; tatsächlich aber gehörte die Macht dem bösen Genius Rußlands, dem „Inquisitor'6 — wie die gebildete Welt ihn nannte —, dem gelehrten Reaktionär Konstantin Pobjedonoszew, früher Professor der Rechte an der Moskauer Universität und jahrzehntelang Generalprokurator des Heiligen Synods. Pobjedonoszew war, ohne einer Kontrolle oder Kritik zu unterliegen, Herr über die seelische und geistige Entwicklung des größten europäischen Volkes, das damals über hundert Millionen zählte. Im Vollbesitz seiner Macht zerrte er Rußland von Unheil zu Unheil, von Abgrund zu Abgrund. Durch seine beharrliche und bis ins Kleinste durchdachte Politik, die dazu angetan war, den Mut des Volkes zu brechen, unterband er die schöpferischen Kräfte des russischen Volkes und brachte es dem Zusammenbruch nahe. Der Historiker, der sich mit den letzten Entwicklungsstadien der russischen Geschichte befassen will, wird sich bei Pobjedonoszew länger aufhalten müssen als bei irgend einem seiner Zeitgenossen. Und es wird sich erweisen, daß Pobjedonoszew die Verkörperung der zerstörenden Kräfte in Rußland bedeutete, daß ihm in der Clique von Schurken und Fanatikern, die den Ruin des Landes auf dem Gewissen hatten, die erste Stelle zukommt. Die Rasputins und Iliodovs, die ihm folgten, fanden ein gepflügtes und fruchtbares Feld für ihre Tätigkeit vor, das von ihrem großen Vorbilde vorbereitet worden war. Ein Modergeruch von Korruption und Vergewaltigung breitete sich aus jedem Winkel des Landes aus. Pobjedonoszew haßte alle fremden Elemente in Rußland; sein Haß gegen die Juden grenzte aber an Wahnsinn. Er haßte sie aus nationalen und religiösen Gründen. Zur Lösung der Judenfrage in Rußland hatte er ein Projekt ausgearbeitet, das später veröffentlicht wurde. Danach sollten Redingungen geschaffen werden, unter denen, wie er

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